Ärzte Zeitung, 20.10.2005

Bei alten Patienten das Sturzrisiko klären!

Einfache Tests wie Tandem-Stand und Aufstehtest helfen bei der Diagnostik

NEU-ISENBURG (ikr). Alte Patienten mit erhöhtem Sturzrisiko sind besonders gefährdet für Schenkelhalsfrakturen. Es ist daher wichtig, sie früh zu ermitteln, um rechtzeitig Maßnahmen einleiten zu können, die das Sturzrisiko mindern. Bewährt haben sich einfache Tests wie der Aufstehtest, um das Sturzrisiko zu klären, sagt Dr. Jutta Semler, 1. Vorsitzende vom Kuratorium Knochengesundheit.

"Wir machen solche Tests praktisch bei jedem Osteoporose-Patienten", sagte die Chefärztin am Immanuel-Krankenhaus in Berlin zur "Ärzte Zeitung". Ergebe ein solcher Test ein erhöhtes Sturzrisiko, solle man immer auch klären, ob der betreffende Patient ausreichend mit Vitamin D versorgt ist.

Semler: "Wir wissen mittlerweile, daß Vitamin D die Muskulatur stabilisiert und das Sturzrisiko mindert." Osteoporose-Patienten sollten zusätzlich zu spezifischen, fraktursenkenden Medikamenten eine Basistherapie mit Kalzium (500 bis 1000 mg pro Tag) und Vitamin D (400 bis 800 IE pro Tag) erhalten, heißt es in den Leitlinien des Dachverbands Osteologie (DVO) zu Osteoporose.

Bei Patienten mit verminderter Muskelkraft in den Beinen und Balance-Defiziten läßt sich das Sturzrisiko auch durch regelmäßiges Training zur Stärkung der Muskulatur und der Koordinationsfähigkeit verringern. Eine effektive Maßnahme ist nach Angaben von Semler außerdem, Stolperfallen in der häuslichen Umgebung zu beseitigen, und es sollte für gute Beleuchtung gesorgt werden.

Ein weiterer Tip: Die Patienten sollten festes Schuhwerk tragen. Auch auf ein ausreichendes Sehvermögen sollte geachtet werden, und bei Diabetikern sollten Hypoglykämien vermieden werden. Alten Osteoporose-Patienten könne das Tragen von Hüftprotektoren empfohlen werden, so Semler.

Und noch etwas hält Semler bei Patienten mit hohem Sturzrisiko für wichtig: Sie sollten Medikamente zur Fraktur-Prophylaxe erhalten, die auch das Risiko für Hüftfrakturen senken. Diese Anforderung erfüllen etwa die Bisphosphonate Alendronat und Risedronat sowie Strontium.

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