Ärzte Zeitung, 25.10.2006

Studie zu Osteoporose belegt: Nach der Fraktur ist vor der Fraktur

Früher Start der Frakturprophylaxe wichtig / Positiver Effekt auf langfristige Betreuung

BERLIN (gvg). Ein Jahr nach Operation einer osteoporosebedingten Schenkelhalsfraktur erhalten nur neun von 100 Patienten eine adäquate Osteoporose-Therapie zur Vorbeugung gegen weitere Brüche. Durch frühen Beginn einer solchen Behandlung noch im Krankenhaus läßt sich die Zahl der langfristig gut behandelten Patienten jedoch verbessern, wie eine Studie jetzt ergeben hat.

Femur eines 54jährigen Patienten im Röntgenbild: Die pertrochantäre Fraktur ist mit einem Gamma-Nagel versorgt worden. Foto: Professor Klaus M. Peters

Professor Michael Amling vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) berichtete auf dem Kongreß der Orthopäden und Unfallchirurgen in Berlin von einer Studie bei 200 Patienten mit proximaler Femurfraktur.

Sie wurden in der Hamburger Klinik operiert und erhielten dann gemäß der Osteoporose-Leitlinie des Dachverbandes Osteologie (DVO) sofort eine Therapie zur Prophylaxe weiterer Frakturen. Die Behandlung bestand aus 1200 bis 1500 mg Kalzium täglich sowie einer einmal wöchentlichen oralen Behandlung mit der Fixkombination aus Alendronat und Vitamin D (Fosavance®).

Um die Compliance zu verbessern, wurde den Patienten ausführlich erläutert, daß die Therapie der Fraktur-Prophylaxe diene und über mindestens fünf Jahre fortgeführt werden sollte. Dasselbe stand im Entlassungsbrief an den behandelnden Hausarzt.

Eine Befragung nach zwölf Monaten ergab, daß 19 Prozent der Patienten noch immer eine leitliniengerechte Osteoporose-Therapie erhielten. Weitere 22 Prozent nahmen ein Einzelpräparat, meist Kalzium. 42 Prozent erhielten überhaupt keine Osteoporose-Therapie, und 17 Prozent waren in der Zwischenzeit gestorben.

"19 Prozent klingt wenig, aber wir waren damit mehr als doppelt so gut wie der bundesdeutsche Durchschnitt, der bei neun Prozent liegt", sagte Amling auf der von MSD unterstützten Veranstaltung. Er wertete die Ergebnisse als Zeichen dafür, daß ein entschiedenes Eintreten der Chirurgen und Orthopäden für die medikamentöse Osteoporose-Therapie bei Frakturpatienten die Versorgungssituation relevant verbessern kann.

Um die Quote weiter zu optimieren, bietet das UKE den einweisenden Ärzten im Arztbrief jetzt auch noch eine Spezialsprechstunde für Osteoporose und Skeletterkrankungen an. Hier stehen Experten beratend zur Verfügung, wenn bei Patienten Schwierigkeiten mit der Therapie oder mit der Compliance auftreten.

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