Ärzte Zeitung, 27.10.2008

Rat zu Knochendichtemessung bei osteoporosetypischer Fraktur

Wie der neue Osteoporose-Bericht belegt, wird die Erkrankung immer noch zu selten diagnostiziert. Ein Orthopäde rät bei verdächtigen Frakturen zur Messung der Knochendichte.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Rat zu Knochendichtemessung bei osteoporosetypischer Fraktur

Ausgeprägtes Tannenbaumphänomen bei Osteoporose.

Foto: Professor Klaus Peters

Aktuelle Daten aus dem Osteoporose-Bericht der Europäischen Union belegen, dass in Deutschland weiterhin viel zu wenige Betroffene diagnostiziert und therapiert werden.

"Wir müssen leider konstatieren, dass sich in den vergangenen zehn Jahren trotz Bone- and Joint-Dekade relativ wenig verbessert hat", bedauerte Dr. Karsten Dreinhöfer von der Orthopädischen Universitätsklinik Ulm. Das belegt der neue Bericht "Osteoporosis in the European Union in 2008", den der Experte beim Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin vorgestellt hat.

Demnach sind in Deutschland etwa acht Millionen Menschen von Osteoporose betroffen. 1,3 Millionen davon sind Männer. "Die Zahl der osteoporotischen Frakturen hat weiter zugenommen", so Dreinhöfer. Einigermaßen verlässliche Zahlen gibt es bei den Schenkelhalsfrakturen: 120 000 Mal gab es an dieser Stelle des Skeletts im Jahr 2007 Brüche.

"Leider wird weiterhin nur jeder fünfte Patient nach einem osteoporosetypischen Knochenbruch mit Blick auf Osteoporose gezielt untersucht", so Dreinhöfer. Nur jeder zehnte Patient hat bei Entlassung aus dem Krankenhaus eine spezifische Osteoporosetherapie. Und nur etwa vier von zehn dieser Patienten nehmen die Osteoporosemedikation nach einem Jahr noch ein. Nach zwei Jahren ist es nur noch jeder vierte.

Insgesamt seien das ausgesprochen unbefriedigende Zahlen, betonte Dreinhöfer. Sowohl Kliniken als auch niedergelassene Ärzte müssten sich um eine Verbesserung bemühen. Er selbst will mit gutem Beispiel vorangehen: An der eigenen Klinik hat Dreinhöfer einen Behandlungspfad etabliert, bei dem bei Patienten mit osteoporosetypischen Frakturen ab einem gewissen Alter vor Entlassung auf jeden Fall eine Knochendichtemessung gemacht wird.

Er rief andere Kliniken auf, es ähnlich zu machen. Gerade bei der Compliance seien vor allem die Hausärzte und Orthopäden gefragt. In anderen europäischen Ländern sind die Zahlen ähnlich wie in Deutschland.

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