Ärzte Zeitung, 09.09.2009

Mehr Optionen zur Fraktur-Prophylaxe bei oraler Kortikoidtherapie

Patienten, die langfristig orale Kortikoide erhalten, haben ein hohes Osteoporose-Risiko. Es gibt jetzt mehr Optionen zum Frakturschutz.

Besonders viel an Knochenmasse verlieren die Patienten in den ersten drei bis zwölf Monaten einer systemischen Kortikoidtherapie. Bereits bei Prednisolon-Tagesdosen von weniger als 2,5 mg ist das Frakturrisiko deutlich erhöht (Der Internist 10, 2008, 1186). Und bei 2,5 bis 7,5 mg täglich ist das Risiko für Wirbelfrakturen mehr als verdoppelt. Außerdem ist das Osteoporose-Risiko häufig durch die Grunderkrankung selbst erhöht. Bei der Rheumatoiden Arthritis etwa ist das Risiko für Hüftfrakturen 1,5- bis 2-fach und für Wirbelfrakturen sogar bis zu 4-fach erhöht.

Daher empfiehlt die DVO-Leitlinie: Ist eine systemische Kortikosteroidtherapie für länger als drei Monate geplant oder wurde sie bereits begonnen, sollten die Patienten während dieser Behandlung ausreichend mit Kalzium (1000 bis 1500 mg /d) und Vitamin D3 (400 bis 1200 IE pro Tag) versorgt werden.

Ergibt sich bei der Knochendichtemessung nach dem DXA-Verfahren ein T-Score von unter minus 1,5, wird zusätzlich zu einer spezifischen medikamentösen Therapie geraten. Das bedeutet für Frauen in der Postmenopause: Sie sollten gemäß der Leitlinie während der Steroidtherapie ein Bisphosphonat erhalten, und zwar vorzugsweise Alendronat, Risedronat oder Etidronat. Für Männer wird Alendronat empfohlen, obwohl das Mittel nicht explizit für Männer mit Glukokortikoid-bedingter Osteoporose zugelassen ist.

Zugelassen bei Kortikoid-Osteoporose, aber noch nicht in der Leitlinie berücksichtigt ist auch Teriparatid, und zwar bei Frauen und Männern mit hohem Frakturrisiko. Eine Studie ergab mit Teriparatid über 18 Monate einen stärkeren Anstieg der Knochendichte und weniger vertebrale Frakturen als mit Alendronat.

Auch Zoledronat hat vor kurzem die Zulassung bei Frauen in der Postmenopause und Männern mit Kortikoid-Osteoporose erhalten. Die einmal jährliche Zoledronat-Infusion erhöhte die Knochendichte unter oraler Kortikoidtherapie stärker als die tägliche orale Therapie mit Risedronat (Lancet 373, 2009, 1253).

Für Frauen in der Prämenopause wird in der DVO-Leitlinie auch bei einem T-Score von unter minus 1,5 vorzugsweise eine allgemeine Fraktur-Prophylaxe mit Kalzium und Vitamin D3 empfohlen. Bei Behandlung mit spezifischen Medikamenten liegt für diese Patientengruppe ein Off-Label-Gebrauch vor. (ikr)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »

Diabetes-Strategie zum Greifen nah

Der gezielte Kampf gegen Diabetes könnte schon bald konkrete Formen annehmen. Zum heutigen Welt-Diabetestag zeichnet sich zwischen Union und SPD ein Kompromiss für eine nationale Diabetes-Strategie ab. mehr »