Ärzte Zeitung online, 24.03.2017

Osteoporose

Bei Therapie auf Kiefer achten!

Chirurgen warnen: Immer häufiger kommt es bei Osteoporose-Therapie zur Osteonekrose des Kiefers.

MÜNCHEN. In Deutschland steigt die Zahl der Menschen, bei denen Medikamente zur Behandlung bei Osteoporose schwere Komplikationen am Kiefer auslösen. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) anlässlich ihres 134. Kongresses in München mit.

Osteonekrosen des Kiefers wurden erstmals 2003 als seltene Komplikation nach der Behandlung mit Bisphosphonaten beschrieben. Die Komplikation trete auch nach der Behandlung mit Denosumab auf, heißt es in einer DGCH-Mitteilung. Inzwischen seien die Fälle so häufig, dass einzelne Kieferkliniken eigens Sprechstunden für die Patienten eingerichtet haben. "Betroffen sind meistens ältere Menschen mit Parodontose oder Infektionen der Zahnwurzeln", wird Professor Michael Ehrenfeld zitiert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG). Die Nekrosen können auch nach Zahnextraktionen, Wurzelbehandlungen und bei Implantaten entstehen. Weitere Risikofaktoren für die Osteonekrose sind Alkohol und Rauchen oder eine Behandlung mit Kortison oder Zytostatika.

Die Ursache der Osteonekrose ist nicht ganz klar. "Wir vermuten, dass Entzündungen in der Nähe des Knochens die Toxizität der Bisphosphonate erhöhen und es deshalb zum Absterben des Knochens kommt", erläutert Ehrenfeld. Deshalb seien akute Infektionen oder auch mund-kiefer-gesichtschirurgische Eingriffe bei diesen Patienten gefährlich. "Jeder Eingriff sollte unter Antibiotika-Schutz durchgeführt werden, um eine Infektion des Knochens zu vermeiden", empfiehlt der Münchener Chirurg.

Ehrenfeld rät allen Patienten, die mit Bisphosphonaten oder Denosumab behandelt werden, zu vorbeugenden Maßnahmen. Die Behandlung sollte erst beginnen, wenn ein Zahnarzt das Gebiss saniert hat. "Zysten, desolate Zähne, Entzündungen im Mundraum müssen vorher beseitigt werden", fordert der Mund-Kiefer-Gesichtschirurg. Während der Osteoporose-Behandlung sollten die Patienten peinlich auf eine gute Mundhygiene achten. Dies gelte auch für Menschen mit dritten Zähnen. "Denn auch eine schlecht sitzende Prothese kann über Druckstellen die Entzündung des Knochens anstoßen", betont der Chirurg.(eb)

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