Ärzte Zeitung, 15.06.2004

Versagen Steroide bei Uveitis, ist Infliximab offenbar eine Option

Frühe Therapie ist nötig, um Visusverlust vorzubeugen 

BERLIN (gvg). Der monoklonale Antikörper Infliximab scheint bei Patienten mit einer Uveitis das Auftreten von Komplikation verhindern zu können. Die Behandlung muß allerdings so früh wie möglich erfolgen.

Bei der Untersuchung an der Spaltlampe läßt sich eine Uveitis beurteilen. Foto: hf/akr

"Entzündungen der Uvea sind bei Patienten mit Spondylarthropathien wie Morbus Bechterew, Psoriasis-Arthritis oder Crohn-Arthritis mitunter eine Frühmanifestation", sagte Dr. Marco Cerinic von der Universität Florenz bei einer Veranstaltung von Essex Pharma beim Europäischen Rheumatologenkongreß in Berlin. Die Substanzklasse der TNF-alfa-Hemmstoffe hat sich bereits bei vielen Spondylarthropathien als sehr wirksam erwiesen.

Mittel der Wahl bei der Behandlung eines Patienten mit akuter Uveitis ist die topische Anwendung von Steroidpräparaten, doch reicht das oft nicht aus, um die Entzündung schnell zurückzudrängen. Gelingt das nicht, dann drohen Verwachsungen (Synechien) und Gewebsnekrosen. Schlimmstenfalls nimmt die Sehfähigkeit stark ab.

Es gebe immer mehr Fallberichte und Beobachtungen bei kleineren Patientengruppen, die belegten, daß die rechtzeitige Anwendung von Infliximab (Remicade®) das Auftreten derartiger Komplikationen verhindern kann, wie Cerinic in Berlin berichtete. So sei in einer kleinen Untersuchung sieben Patienten mit schwerer Uveitis Infliximab als einmalige Infusion injiziert worden, woraufhin die Entzündung bei allen Patienten abgeheilt war. Bei vier Patienten kam es nach einigen Monaten allerdings zu einem Rezidiv, das eine erneute Infliximab-Therapie notwendig machte.

"Was wir jetzt brauchen, sind randomisierte Studien bei diesem Patientenkollektiv", forderte Cerinic in Berlin. Für ihn rechtfertigen die bisherigen Erkenntnisse allerdings schon einen Therapieversuch mit Infliximab, wenn andere Strategien versagen. Zuviel Zeit mit unwirksamen Behandlungen verplempern dürfe man keinesfalls, denn sonst stehe das Augenlicht des Patienten auf dem Spiel, betonte Cerinic.

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