Ärzte Zeitung, 15.06.2005

Arznei-Kombi bringt Rheumakranken Linderung

Ein Biological zusätzlich zum Methotrexat: So werden in der Praxis bei rheumatoider Arthritis Erfolge erzielt

WIEN (kat/mal). Biologicals sind Hoffnungsträger für viele Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA). Ein Plus dieser Wirkstoffe - dazu gehören die TNF-alpha-Blocker Infliximab, Etanercept und Adalimumab sowie der Interleukin-1-Rezeptorblocker Anakinra - scheint nämlich zu sein, daß unter ihrer Anwendung auch die radiologische Progression zum Stillstand kommt.

Positive Daten hat etwa die ASPIRE-Studie gebracht, in der die Kombination von Infliximab plus MTX mit einer MTX-Monotherapie verglichen worden ist. ASPIRE steht dabei für Active Controlled Study of Patients Receiving Infliximab for Treatment of Rheumatoid Arthritis of Early Onset.

Beim Europäischen Rheumatologen-Kongreß in Wien sind jetzt neue Ergebnisse aus dieser Studie vorgestellt worden: Die radiologische Progression an Händen und Füßen ist nach 54 Wochen unter der Kombination von MTX plus Infliximab signifikant geringer als unter MTX-Monotherapie.

Unter der Monotherapie kommt es vor allem an den Füßen und beim Erosionen-Score zu einer deutlichen Progression. Nach einem Jahr hatten mit MTX-Monotherapie 43 Prozent der Patienten eine radiologische Progression, aber nur 23 Prozent (3 mg/kg Infliximab) und 11 Prozent (6 mg/kg Infliximab) unter der Kombinationstherapie.

Für solche Therapieerfolge - viele Daten liegen ja zu den TNF-alpha-Hemmstoffen vor - ist eine frühe und konsequente Diagnostik bei Gelenkschmerzen unverzichtbar.

Bevor dann aber die Indikation für eine solche TNF-alpha-Therapie bei RA gestellt wird, muß die jeweils zweimonatige Monotherapie mit einem Basistherapeutikum wie Methotrexat, Sulfasalazin oder Leflunomid erfolglos geblieben sein und die entzündliche Aktivität die TNF-alpha-Therapie erforderlich machen.

Daran hat Professor Henning Zeidler von der Medizinischen Hochschule Hannover im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" aus Anlaß des EULAR erinnert. Bei Bechterew-Patienten, so Zeidler, müßten ebenfalls zwei Behandlungsversuche, in diesem Fall mit NSAR, erfolglos geblieben sein und müsse eine entsprechende Entzündungsaktivität bestehen.

Aufgrund guter Erfahrungen stellt Zeidler einer TNF-alpha-Blocker-Therapie oft noch einen maximal dreimonatigen Versuch mit einer Kombination aus MTX, Sulfasalazin und Hydrochloroquin voran. Generell könne mit einer TNF-alpha-Therapie frühestens nach sechs Monaten begonnen werden. Denn in der Erstbehandlung bei RA muß nach dreimonatiger Monotherapie die Krankheitsaktivität überprüft und dann eine zweite Substanz getestet werden.

Auch wenn die Kombination mit MTX bei den TNF-alpha-Hemmern nur für Infliximab Pflicht sei, habe sich die Kombination in der Praxis oft bewährt, um einen ausreichenden klinischen Erfolg zu haben. Ein Wechsel von einem TNF-alpha-Blocker zu einem anderen ist in jeder Richtung möglich.

Bei Patienten mit RA sei ein Auslaßversuch aufgrund der geringen Zahl an Spontanremissionen eher die Ausnahme, sagte Zeidler. Bei Patienten mit Bechterew oder Psoriasis-Arthritis könne ein Ausschleichen oder eine individuell und an den Beschwerden orientierte Intervalltherapie dagegen durchaus sinnvoll sein.

Wermutstropfen dieser erfolgreichen Therapeutika bleibe das erhöhte Infektionsrisiko. Deshalb sollten vor Beginn einer TNF-alpha-Therapie eine Röntgenaufnahme des Thorax und ein Tuberkulin-Hauttest gemacht werden, erinnerte Zeidler.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »

Rettungsgasse blockieren kostet 320 Euro

Länderkammer verschärft die Bußgeldhöhe, wenn Rettungsgassen nicht beachtet werden. mehr »

Palliativmedizin erfordert Zusatzqualifikation

Die Debatte um die Verpflichtung von Hausärzten zur Zusatzausbildung in Palliativmedizin schlägt hohe Wellen. In der KBV-Vertreterversammlung am Freitag wurde KBV-Vize Hofmeister nun grundsätzlich. mehr »