Ärzte Zeitung, 10.07.2007

Geringe kardiovaskuläre Ereignisrate mit Coxib

Lumiracoxib mit Naproxen und Ibuprofen bei Hochrisikopatienten verglichen / Daten von 18 000 Arthrose-Patienten

NEW YORK CITY (hub). Erneut bestätigt eine Analyse: Das kardiovaskuläre Risiko bei einer Coxib-Therapie ist nicht höher als das Risiko bei einer Therapie mit klassischen NSAR. Selbst bei Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko ist mit einer Lumiracoxib-Dauertherapie die Ereignisrate niedrig.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine weitere Auswertung der TARGET*-Studie mit 18 325 Arthrose-Patienten (Ann Rheum Dis 66, 2007, 764). Die Patienten erhielten Tagesdosen von entweder einmal 400 mg Lumiracoxib (Prexige®), dreimal 800 mg Ibuprofen oder zweimal 500 mg Naproxen - jeweils für einen Zeitraum von einem Jahr.

Berücksichtigt wurden für die neue Analyse die zuvor festgelegten Subgruppen von Patienten mit hohem kardiovaskulären Risiko mit und ohne ASS-Therapie. Hierzu gehörten Patienten etwa mit KHK, Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Anamnese. Die Ergebnisse im Detail:

  • Hochrisikopatienten mit ASS: Beim Vergleich von Naproxen mit Lumiracoxib ergaben sich ähnliche Raten kardiovaskulärer Ereignisse (stummer Infarkt, Herzinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskulärer Tod): Mit Naproxen hatten 1,58 Prozent der Studienteilnehmer solche Ereignisse, mit Lumiracoxib 1,48 Prozent. Unterschiede gab es dagegen beim Vergleich zwischen Ibuprofen und Lumiracoxib: Mit Ibuprofen hatten nämlich 2,14 Prozent der Studienteilnehmer kardiovaskuläre Ereignisse mit Lumiracoxib jedoch nur 0,25 Prozent.

Die Erklärung für das ungünstige Abschneiden von Ibuprofen: Ibuprofen interferiert mit ASS an der COX-1-Bindungsstelle. Dadurch werde der durch ASS vermittelte Schutz neutralisiert, so Dr. Michael Farkouh von der Mount Sinai School of Medicine in New York City.

  • Hochrisikopatienten ohne ASS:

Der Vergleich von Ibuprofen und Lumiracoxib ergab Ereignisraten von 0,92 versus 0,8 Prozent, der Vergleich von Naproxen und Lumiracoxib Ereignisraten von null versus 1,57 Prozent.

Den scheinbaren Vorteil für Naproxen bei der Analyse der Hochrisikopatienten ohne ASS führen die Autoren darauf zurück, dass Naproxen ähnlich wie ASS die Thrombozytenaggregation hemmt. Von diesem Effekt hatten die Studienteilnehmer profitiert, da sie - entgegen des ja bestehenden wissenschaftlichen Konsens - trotz eines hohen kardiovaskulären Risikos kein ASS bekommen hatten.

*Target = Therapeutic Arthritis Research and Gastrointestinal Event Trial with Lumiracoxib

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »

Angst vor Epidemien in Lagern

Nach ihrer dramatischen Flucht aus Myanmar suchen über eine halbe Million Rohingya Schutz in Bangladesch. Die Lage in den eilig aufgeschlagenen Lagern ist desolat. mehr »