Ärzte Zeitung, 02.04.2008

Bald neues Biological für die Rheuma-Therapie

Antikörper Tocilizumab ist gegen Interleukin-6-Rezeptor gerichtet / Studien mit Erwachsenen und Kindern

WIEN / YOKOHAMA (hub). Für die Rheuma-Therapie von Kindern und Erwachsenen ist ein neues Biological in Sicht. Der Interleukin-6-Antagonist Tocilizumab hat sich sowohl bei juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) als auch bei Rheumatoider Arthritis (RA) bewährt.

Interleukin-6 (IL-6) ist an der Gelenkentzündung und möglichen systemischen Manifestationen wie Anämie, Osteoporose und Fatigue beteiligt. Die Wirksamkeit des gegen den IL-6-Rezeptor gerichteten Antikörpers Tocilizumab haben jetzt zwei Studien belegt: eine mit 622 Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer RA und eine mit 56 Kindern und Jugendlichen von zwei bis 19 Jahren mit aktiver JIA, die nicht auf konventionelle Therapien angesprochen hatten.

Die Ergebnisse: Innerhalb 24 Wochen erreichten 44 Prozent der RA-Patienten mit 8 mg/kg KG Tocilizumab eine Reduktion der Symptome um 50 Prozent (ACR50-Ansprechen) - viermal mehr als in der Placebogruppe mit 11 Prozent (Lancet 371, 2008, 987). Mit der halben Dosis des Antikörpers erreichten 32 Prozent der Patienten diese Ansprechrate. Und eine Remission erreichten mit dem höher dosierten Antikörper 28 Prozent, mit der halben Dosis 14 Prozent, mit Placebo nur ein Prozent.

Die 56 JIA-Patienten bekamen in einer sechswöchigen offenen Studienphase drei Dosen à 8 mg / KG des Antikörpers. Eine 30-, 50- und 70-prozentige Symptomreduktion (ACR-Pedi-Ansprechen) wurde erreicht von 91, 86, und 68 Prozent der Patienten (Lancet 371, 2008, 998).

Der humanisierte Antikörper des Unternehmens Roche Pharma soll Anfang 2009 in Deutschland zugelassen werden. Er wird die Palette antirheumatisch aktiver Biologicals erweitern. Bisher verfügbar sind zur Therapie bei RA drei TNFα-Blocker, ein IL-1-Rezeptor-Antagonist, ein selektiver Co-Stimulationsblocker und ein gegen B-Zellen gerichteter Antikörper.

In weiterer Zukunft wird es mithilfe von Genanalysen sogar möglich sein, vorherzusagen, welcher Patient auf welches Präparat besonders gut anspricht. Dieser Meinung ist etwa der Rheumatologe Professor Ulf Müller-Ladner aus Bad Nauheim.

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