Ärzte Zeitung online, 17.12.2008

Rheuma-Therapie in Schwangerschaft und Stillzeit: Neue Empfehlungen

BERLIN (eb). Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hat die Erkenntnisse und Erfahrungen über die Anwendung von Rheuma-Medikamenten in Schwangerschaft in einer aktuellen Therapie-Empfehlung für Ärzte zusammengefasst. Für Patientinnen gibt es eine leicht verständliche Information. Beide helfen, bei Rheuma eine Schwangerschaft besser zu planen.

Die Fortschritte in der Therapie bei rheumatischen Erkrankungen haben dazu geführt, dass sich viele Frauen mit Rheuma ihren Kinderwunsch erfüllen können. 14 Prozent der Rheuma-Patienteninnen sind im gebärfähigen Alter. Noch bis vor zehn Jahren haben Ärzte von einer Schwangerschaft abgeraten - es gab kaum Erfahrungswerte.

Bisher existierten zu vielen Medikamenten nur unzureichende Daten über ihre Anwendung in der Schwangerschaft, besonders bei neueren Wirkstoffen. Aus diesem Grund rieten die Ärzte ihren Rheuma-Patientinnen früher von einer Schwangerschaft ab. Viele Frauen verabschiedeten sich vom Gedanken, eine Familie zu gründen.

Die Fragen fokussieren vor allem auf die Auswirkungen der Medikamente auf die Fruchtbarkeit der Frauen und die Gesundheit des Kindes. Wichtig ist auch, ob und wie sich die Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft verändert und ob medikamentös eingegriffen werden kann.

Diese Fragen greift der Leitfaden auf, die Professor Klaus Krüger, niedergelassener Rheumatologe aus München, federführend für die Kommission Pharmakotherapie der DGRh erstellt hat. Der Leitfaden listet die gängigen Rheuma-Medikamente und deren Anwendbarkeit vor und während einer Schwangerschaft. Grundlage des Leitfadens sind tierexperimentelle Studien, Fallberichte sowie Expertenmeinungen.

Das wichtigste Kriterium für eine möglichst problemfreie Schwangerschaft und Geburt ist eine langfristige Vorbereitung. Patientinnen sollten ihren Kinderwunsch schon vor der medikamentösen Einstellung ihrem Arzt mitteilen.

Denn einige Wirkstoffe können den Eisprung verhindern. Andere Substanzen müssen einige Monate vor der geplanten Konzeption abgesetzt werden, um Langzeitwirkungen auf das Kind auszuschließen.

Da eine Schwangerschaft zudem in eine ruhige Krankheitsphase fallen sollte, können Ärzte mit dem Wissen um den Kinderwunsch ihrer Patientin die Behandlungsstrategie auf eine rasche und stabile Remission ausrichten. Für die Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft gilt grundsätzlich "so wenig wie möglich, so viel wie nötig". Doch dabei gibt es wesentliche Unterschiede.

Bei vielen entzündlich-rheumatischen Krankheiten geht die Krankheitsaktivität während der Schwangerschaft zurück. Die Schwangerschaft der rheumakranken Patientin hat dennoch trotz der verbesserten Behandlungsoptionen gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind.

"Es erfordert eine engmaschige Kontrolle des Therapieverlaufs und eine gute Zusammenarbeit von Rheumatologen und Geburtshelfern", so Krüger. Um die behandelnden Ärzte und Betreuer enger zu vernetzen, sind spezielle Schwangerschaftssprechstunden eine Option.

In der Schweiz gibt es bereits ein Nationales Zentrum in Bern, in der Frauen und Männer mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen bei Kinderwunsch beraten und Frauen in einer Schwangerschaft betreut werden. In Deutschland gibt es diese Sprechstunde bislang in Düsseldorf und Erlangen. Doch auch jeder Rheumatologe kann mit den neuen Therapieempfehlungen und seinem Fachwissen grundsätzlich diese Art der Beratung anbieten.

Therapie-Empfehlung der DGRh "Pharmakotherapie in der Schwangerschaft"

Patienteninformationen der DGRh zu "Schwangerschaft und rheumatische Erkrankungen"

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