Ärzte Zeitung online, 09.10.2009

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie befürwortet H1N1-Impfung

BERLIN (eb). Impfen oder nicht? Diese Frage bekommen Rheumatologen in den letzten Wochen recht häufig gestellt. Die Experten der Kommission Pharmakotherapie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) verständigten sich nun auf eine Empfehlung für behandelnde Ärzte.

Darin empfehlen sie die H1N1-Impfung für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, deren Krankheit schwer verläuft oder die unter immunsuppressiver Therapie stehen. Weil Verträglichkeitsstudien bei Rheumapatienten fehlen, sind eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung und ein ausführliches Aufklärungsgespräch jedoch obligatorisch, teilt die DGRh mit.

Abseits der Debatte über den Sinn der Impfung gegen die bislang mild verlaufende Neue Influenza A steht die Frage, welche Personen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Grippeverlauf haben. Sie müssen besonders geschützt werden. In Bezug auf Menschen mit rheumatischen Erkrankungen geht das bisher nicht eindeutig aus den Empfehlungen der WHO und der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts hervor. Genannt werden nur Personen mit "erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens". Rheumatische Erkrankungen sind nicht explizit aufgeführt.

Schweres Rheuma bedeutet hohes H1N1-Risiko

"Patienten mit schweren Krankheitsverläufen oder mit immunsuppressiver Therapie gehören aber generell zur Hochrisikogruppe", sagt Kommissionssprecher Professor Klaus Krüger. Die meisten Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen erhalten diese Medikamente. "Sie sollten geimpft werden", fasst der internistische Rheumatologe aus München die Empfehlung zusammen. Da es sich bei den Impfstoffen gegen H1N1 um Totimpfstoffe handele, sei die Impfung bei diesen Patienten grundsätzlich möglich.

Obwohl die DGRh die Impfung grundsätzlich befürwortet, bleiben einige Fragen offen, da spezielle Studien mit Rheumapatienten fehlen. Beispielsweise ist noch unklar, wie verträglich die H1N1-Impfung für Patienten mit rheumatischen Erkrankungen sein wird. Denn die Impfung könnte ebenso wie die Infektion einen Krankheitsschub auslösen. Ungewiss ist auch, ob die Immunsuppressiva den Impfschutz beeinträchtigen. "Über die grundsätzliche Empfehlung zur Impfung einerseits, aber auch über den begrenzten Wissensstand andererseits muss jeder Patient aufgeklärt werden", sagt Professor Krüger und verweist damit auf das Arzt-Patienten-Gespräch, das der Impfung stets vorausgehen muss.

Bei der Überlegung, ob die Impfung beim Rheumatologen oder Hausarzt durchgeführt wird, sollten Ärzte die Auslastung der Praxis berücksichtigen. Die Kommission geht davon aus, dass größere Impfstoff-Mengen aufbereitet und am gleichen Tag verimpft werden müssen - für kleinere Praxen ist dies kaum praktikabel. Die Impfung gegen die saisonale Grippe sollte zusätzlich, aber nicht zum gleichen Termin vorgenommen werden.

Die ausführlichen DGRh-Empfehlungen zur H1N1-Impfung für Patienten mit rheumatischen Erkrankungen stehen online unter www.dgrh.de/rheumaschweinegrippe.html

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