Rheuma

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Modul: Medikamentöse Therapie der rheumatoiden Arthritis und ihrer Komorbiditäten

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Ärzte Zeitung online, 28.12.2009

Verstärken Parodontitis-Bakterien rheumatische Erkrankungen?

Eine Parodontitis ist ein Risikofaktor für systemische Erkrankungen. So haben Parodontitis-Patienten häufiger Erkrankungen des Herz- und Gefäßsystems wie Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Umgekehrt können auch systemische Erkrankungen - wie Diabetes, Osteoporose und Fettsucht - eine Parodontitis hervorrufen oder begünstigen. Bei rheumatischen Systemerkrankungen hat sich etwa herausgestellt, dass Patienten mit einer ankylosierenden Spondyloarthritis ein fast 7-fach erhöhtes Parodontitis-Risiko haben.

Von Jacqueline Detert

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Paradontitis ist ein Risikofaktor für Herzinfarkt.

Foto: © Jana Lumley / fotolia.com

Parodontitis und Rheumatoide Arthritis (RA) haben eine wesentliche Gemeinsamkeit: die Entzündung. Einmal betrifft sie den Zahnhalteapparat, einmal die Gelenke, wobei von einer RA auch andere Organsysteme betroffen sein können. Bei RA entzündet sich die Synovialmembran, die die Innenauskleidung der Gelenke bildet. Die Folge ist der Abbau von Knochen und Knorpelgewebe.

Viele Faktoren bedingen die Entwicklung der RA, darunter Alter und Geschlecht, genetische Voraussetzungen, Rauchen aber auch Infektionen. Eine bakterielle Infektion ist Hauptursache der Parodontitis. Dabei bildet sich ein mikrobieller Biofilm auf der Zahnoberfläche, der durch die Bakterien direkte und durch eine überschießende Immunantwort indirekte Schädigungen hervorruft, die zum schleichenden Abbau des Zahnhalteapparates und schließlich zu Zahnverlust führen können.

Zytokinmuster ähnlich bei Parodontose und Rheuma

Bei beiden Erkrankungen scheint die Reaktion auf den jeweiligen Entzündungsreiz übermäßig stark zu sein, und in den Krankheitsverläufen verursachen chronisch-entzündliche Prozesse, dass Bindegewebe und Knochenmatrix zerstört werden. Bei der RA führen besonders Zytokine wie IL-1, IL-6 und TNFα sowie Bindegewebszellen der Synovialmembran dazu, dass strukturschädigende Substanzen wie Prostaglandin E2 (PGE2) und Matrix-Metallo-Proteasen (MMP) freigesetzt werden. PGE2 ist bekanntlich eines der wichtigsten Gewebehormone, das in das Entzündungsgeschehen involviert ist.

Matrix zerstörende Kollagenasen und Elastasen (MMP) sind Enzyme, die unter anderen Peptidverbindungen spalten. Es wurde bereits gezeigt, dass dieses Zytokinmuster sich bei der Parodontitis sehr ähnlich darstellt wie bei der RA. So sind bei der Parodontitis ebenfalls hohe Anteile der entzündungsfördernden Zytokine IL-1, IL-6 und TNFα messbar und während aktiver Phasen finden sich hohe Konzentrationen von PGE2 und MMP im parodontalen Gewebe.

Bakterienenzym auch Faktor bei Rheumatoide Arthritis

Wesentlich für Entstehen und Fortschreiten einer Parodontitis ist das Bakterium Porphyromonas gingivalis. Über eine Reaktionskette wirkt es sich scheinbar direkt auch auf die RA aus. Es verfügt über zahlreiche krankheitsauslösende Faktoren und ist der bisher einzige Keim, von dem bekannt ist, dass er das Enzym Peptidylarginindeiminase (PAD) abgibt.

Die PAD ist ein wichtiger Krankheitsfaktor für eine RA: Ihre Aktivität verändert Argininreste, wodurch wiederum Peptidyl-Citrullinreste entstehen, die die Bildung bestimmter Auto-Antikörper (ACPA) fördern. Diesem Ablauf zufolge können Gewebeschädigungen von RA-Patienten durch Bakterien der Parodontitis verursacht werden.

So wurde etwa gezeigt, dass eine nicht-chirurgische Behandlung des Zahnfleisches mit Pflegeanleitungen bei RA-Patienten positiv auf die RA wirkt. So behandelten Patienten hatten eine geringere Krankheitsaktivität, als jene RA-Patienten, die keine parodontale Therapie und Hygieneinstruktionen erhielten. Auch die Serumkonzentration von TNFα war niedriger.

Besonders die Erforschung pathogenetischer Zusammenhänge ist ein Gebiet, dem sich Forscher an der Charité widmen wollen. Langfristig haben sie sich zum Ziel gesetzt, mögliche Therapieansätze zu finden, um den bakteriellen Einfluss auf entzündlich-rheumatische Erkrankungen zu vermindern. Es zeigt sich an diesem kleinen Forschungsgebiet, dass der Erhalt der ganzheitlichen Gesundheit bei Rheuma-Patienten durch eine interdisziplinäre Vernetzung vieler Fachgebiete zunehmend im Vordergrund stehen wird.

Quelle: Newsletter der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie, Ausgabe September 2009, www.dgrh.de

Kooperationspartner gesucht

Können Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) problemlos Zahnimplantate erhalten? Was ist dabei zu berücksichtigen, welche RA-Therapie könnte stören? Diesen Fragen wollen Rheumatologen an der Charité Berlin nachgehen. Dafür suchen die Forscher Zahnärzte und Rheumatologen als Kooperationspartner.

Informationen bei: Dr. Jacqueline Detert, Charité, Centrum 12 für Innere Medizin und Dermatologie, Telefon 030 / 4 50-51 31 33 oder -51 30 25, E-Mail: jacqueline.detert@charite.de

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