Ärzte Zeitung online, 16.09.2010

Bei Rheuma kann die Tablette das Skalpell nicht ersetzen

Zahl der Synovektomien bei Rheumatoider Arthritis ist stark zurückgegangen

Bei Rheuma kann die Tablette das Skalpell nicht ersetzen

HAMBURG (ugr). Patienten mit Rheumatoider Arthritis (RA) profitieren stark von modernen entzündungshemmenden Medikamenten. Stand bis vor wenigen Jahren das Verhindern einer schnellen Krankheitsprogression im Zentrum der therapeutischen Bemühungen, wird heute in den meisten Fällen eine vollständige Remission angestrebt.

Bei Rheuma kann die Tablette das Skalpell nicht ersetzen

Bei Arthrose ist der Gelenkersatz nachwievor Standard. Bei entzündlichem Rheuma muss jedoch immer seltener operativ eingegriffen werden.

© Nicolas Larento / fotolia.com

"Operative Behandlungen werden deshalb jedoch nicht überflüssig, die Tablette kann das Skalpell nicht ersetzen", erklärte Professor Stefan Rehart beim Deutschen Rheumakongress in Hamburg. Verschoben hat sich jedoch das Behandlungsspektrum der rheuma-orthpädischen Einrichtungen, betonte der Orthopäde vom Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main. Die Zahl der entzündungsbedingten Synovektomien konnte aufgrund erfolgreicher medikamentöser Behandlungen in den vergangenen Jahren drastisch reduziert werden. Gestiegen ist stattdessen die Zahl endoprothetischer Eingriffe - hier besonders an den mittleren und kleinen Gelenken an Finger, Hand, Ellenbogen, Schulter und Fuß (Sprunggelenk).

"Für RA-Patienten stand bis vor einigen Jahren ein operativer Gelenkersatz aufgrund des fortschreitenden Entzündungsprozesses nur selten zur Disposition - allenfalls, um die Steh- und Gehfähigkeit zu gewährleisten, wurden künstliche Hüft- oder Kniegelenke eingesetzt." Heute werden Endoprothesen eingesetzt, um die Lebensqualität zu verbessern, so Rehart. "RA-Patienten müssen keine Angst mehr vor einem Eingriff haben. Die Standzeiten der Prothesen sind mittlerweile ebenso gut wie bei Patienten ohne entzündliche Erkrankung."

Dagegen ist für viele der fünf Millionen Arthrosepatienten in Deutschland die Endoprothetik die einzig wirksame Therapieoption, um die fortschreitende Zerstörung des Gelenkknorpels zu beenden. "In den vergangenen 20 Jahren hat es keine Fortschritte in der Entwicklung der medikamentösen Therapie gegeben", beklagte Professor Thomas Pap vom Uniklinikum Münster. Zentrale Aspekte der Krankheitsentstehung seien bis heute unverstanden, Arthroseforschung auf molekularer Ebene sei ausgesprochen schwierig.

Langfristig müsse es aber das Ziel sein, erfolgreich in krankhafte Knorpelreaktionen einzugreifen und diese zu stoppen. "Hierzu ist es erforderlich, Arthrose wie andere Volkskrankheiten auch zum Gegenstand neuer, interdisziplinärer Forschungsinitiativen auf nationaler Ebene zu machen", forderte Pap.

www.dgrh-kongress.de

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