Ärzte Zeitung online, 24.09.2010
 

Altersgicht verkleidet sich oft als Arthrose

Im Alter sind Frauen fast so häufig von Gicht betroffen wie Männer

HAMBURG (gvg). Gichtanfälle in jungen Jahren sind meist nicht schwer zu diagnostizieren. Im Alter dagegen ist der typische Gichtanfall die Ausnahme. Vor allem die Abgrenzung von der Arthrose fällt oft nicht leicht.

Altersgicht verkleidet sich oft als Arthrose

Gichtanfall an der Großzehe.

© K. Krüger, B. Manger, Merckle

Geschwollen, erwärmt und hoch schmerzhaft: Wenn das Großzehengrundgelenk plötzlich akute Beschwerden macht, ist der Gichtanfall schnell diagnostiziert. Das gilt vor allem bei jungen und mittelalten Männern, die vier- bis neunmal häufiger von Gichtanfällen betroffen sind als Frauen.

"Leider ist die Diagnose bei älteren Menschen oft etwas schwieriger", betonte Professor Monika Reuss-Borst, Ärztliche Direktorin der Rehaklinik Am Kurpark in Bad Kissingen. Die Probleme fangen schon damit an, dass die Gicht bei Frauen und Männern im Alter sehr viel gleichmäßiger verteilt ist: "Etwa 15 bis 20 Jahre nach der Menopause ist die Inzidenz bei Frauen fast so hoch wie bei Männern", so die Expertin bei einer von Berlin-Chemie unterstützten Veranstaltung.

Auch die klinischen Symptome sind im Alter häufig weniger eindeutig: Die klassische Monarthritis am Bein ist dann nur noch eine von mehreren ähnlich häufigen Ausprägungsformen. "Im Alter sehen wir mehr polyartikuläre Gichterkrankungen, und wir sehen auch sehr viel häufiger als in jungen Jahren von Gicht betroffene Gelenke an der oberen Extremität."

Schließlich unterscheidet sich auch der Verlauf eines Anfalls zwischen Jung und Alt: "Die Gicht im Alter verläuft weniger akut", so Reuss-Borst. Es gebe weniger klassische Anfälle, dafür aber häufiger chronische Beschwerden. Und vor allem entwickelten sich Gichttophi in Gelenken oder Bindegewebe schneller.

"Das alles führt dazu, dass die Gicht im Alter immer wieder als eine scheinbare aktivierte Arthrose fehlinterpretiert wird", so Reuss-Borst. Das ist bei akuten Beschwerden unproblematisch, weil sich beide Erkrankungen gut mit nicht-steroidalen Antirheumatika in den Griff bekommen lassen. Auf Dauer freilich führt die Fehldiagnose dazu, dass den Betroffenen eine kausale, harnsäuresenkende Therapie vorenthalten wird.

Hinweise auf eine Gicht gibt auch im Alter die Bestimmung des Harnsäurelevels im Serum. Im Ultraschall erfahrene Ärzte können außerdem das für die Gicht sehr typische Doppelkonturzeichen sehen. "Der Goldstandard bleibt aber der Nachweis von Uratkristallen im Gelenkpunktat", so Reuss-Borst in Hamburg.

Das Unternehmen bietet den Harnsäuresenker Febuxostat (Adenuric®) an

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