Ärzte Zeitung, 14.04.2011

Rheuma - Frauen in Brasilien haben schlechtere Karten als Männer

Bei Arthritis fällt in Südamerika das Geschlechterverhältnis deutlich ungünstiger aus als in Europa. Frauen haben dort viel häufiger bestimmte Antikörper als Männer.

CURITIBA (sir). Antikörper gegen zyklische citrullinierte Peptide (ACPA) sind nicht nur für die Erstdiagnose einer Rheumatoiden Arthritis (RA) geeignet, sondern auch zur Erforschung pathogenetischer Zusammenhänge und für die Prognose der Patienten. Die Antikörper stehen für einen schweren RA-Verlauf.

Bei ACPA-positiven RA-Patienten sind radiologische Progression und Gelenkzerstörung oft stärker ausgeprägt als bei Patienten ohne diese Antikörper. In einer aktuellen Querschnittsstudie (Clin Rheumatol, online 22. Februar 2011) wurde deshalb der Zusammenhang einer ACPA-positiven Reaktion (über 20 U/ml) mit genetischen und Umweltfaktoren sowie mit RA-Symptomen untersucht.

Dazu wurden 156 konsekutive Patienten eines Rheumazentrums in Curitiba im brasilianischen Bundesstaat Paraná erfasst. 136 von ihnen waren Frauen, 63 Patienten konnten als Raucher identifiziert werden.

Das mittlere Alter der Studienteilnehmer war 51 Jahre, die mittlere Krankheitsdauer betrug knapp neun Jahre. Die Ergebnisse erhärten den Verdacht, dass in Brasilien viel mehr Frauen als Männer an RA erkranken - deutlich mehr auch als etwa in Europa.

Das Verhältnis in Brasilien lag fast bei 7 : 1, hierzulande rechnet man mit 3 : 1. Die Untersuchung zeigte aber noch mehr: Nach statistischer Auswertung hatten Frauen ein fast 20-mal so hohes Risiko eines ACPA-positiven Befundes wie Männer.

Auch der Vergleich "Raucherinnen zu Rauchern" fiel für die Frauen schlecht aus. Ihr Risiko, ACPA-positiv zu sein, war fast achtmal so hoch wie das der Tabak konsumierenden Männer.

Zwischen extraartikulären Manifestionen und ACPA fand sich kein Zusammenhang. Hier scheinen IgM-Rheumafaktoren bedeutender zu sein, schreiben die Rheumatologen und Immunologen.

Die Autoren fordern daher eine verstärkte Aufklärung und Raucherentwöhnung in den entsprechenden Bevölkerungsgruppen der lateinamerikanischen Schwellenländer.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Warum ein Blinddarm auch nach der Op noch Ärger macht

Fälle wiederkehrender Appendizitis nach Appendektomie sind rar. Doch es sind offenbar sogar mehrere Rezidive möglich, wie ein Fall aus den USA zeigt. mehr »

Ein Plädoyer für mehr Medizinstudienplätze!

Medizinstudent Marcel Schwinger ist der Meinung, dass mehr Studienplätze in der Humanmedizin einen hohen Nutzen für die gesamte Gesellschaft haben – und rechnet vor, wie der Nutzen in Zahlen beziffert werden kann. mehr »

Neuer Malaria-Wirkstoff erfolgreich getestet

Eine neue Wirkstoffkombination hat in einer Studie Malaria-Patienten von ihrer Infektion geheilt. mehr »