Ärzte Zeitung, 05.04.2013
 

"Vom Organ zum System"

Paradebeispiel Rheuma

Paradebeispiel Rheuma

Das Motto des Internistenkongresses "Innere Medizin - vom Organ zum System" passt gut zur Rheumatologie: Entzündlich-rheumatische Erkrankungen sind für Professor Elisabeth Märker-Hermann der Prototyp entzündlicher Multisystemerkrankungen.

WIESBADEN. Geht es nach Professor Elisabeth Märker-Hermann, ist Rheuma der Prototyp entzündlicher Multisystemerkrankungen.

Denn neben verschiedenen Organen wie Gelenken, Nieren, Lunge und Herz könnten bei diesen Patienten multisystemisch Blutgefäße und Nerven befallen sein, erinnerte die Präsidentin des 119. Internisten-Kongresses im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

"Die Laborparameter CRP, BSG, Gamma-Globuline und pro-inflammatorische Zytokine sind typischerweise erhöht und als unspezifische Marker der systemischen Inflammation zu verwerten", so MärkerHermann.

"Während die spezifischen Antikörper, die wir messen - also Rheumafaktor, ANA, CCP-Antikörper - für die Beurteilung des Therapieansprechens keine Rolle spielen, weil sie lediglich diagnostische Marker sind, können die unspezifischen Entzündungsparameter wie CRP und BSG sehr wohl zur Steuerung der Erkrankung herangezogen werden."

Achtsamer Umgang mit Komorbiditäten gefordert

Wichtig in diesem Zusammenhang ist für die Chefärztin an den Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden die Erkenntnis, dass eine Erkrankung wie die Rheumatoide Arthritis, die scheinbar nur Gelenke und Sehnenscheiden erfasst, in Wirklichkeit eine Erkrankung mit erheblichen Folgen für das kardiovaskuläre System ist.

Als Konsequenz daraus fordert die DGIM-Vorsitzende auch einen achtsamen Umgang mit Komorbiditäten.

Was dies im Alltag bedeutet, verdeutlicht Märker-Hermann an einem Beispiel: "Da kommt also ein Patient mit Herzinfarkt in die Klinik und als bekannte Risikofaktoren finden wir Rauchen, Diabetes, Hypertonie... Und als Nebendiagnose finden wir auf der Liste: Rheumatoide Arthritis...

Ich will damit sagen, dass eine Krankheit nicht nur deshalb als Nebendiagnose gelten darf, weil der Patient sie vielleicht schon seit zehn Jahren hat. Denn diese "Nebendiagnose" könnte ein maßgeblicher Grund beziehungsweise ein wichtiger Risikofaktor für die akute Einweisung zum Beispiel wegen eines Herzinfarkts sein. Wir brauchen ein offenes Denken in Bezug auf die Begleiterkrankungen der immer älter werdenden Menschen." (ner)

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