Ärzte Zeitung, 26.02.2014
 

Erwerbsfähigkeit

Mit Rheuma lange im Berufsleben

HALLE. Rheumapatienten bleiben heute trotz ihrer Krankheit häufiger beruflich aktiv als noch vor 10 bis 15 Jahren, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie in einer Mitteilung.

Sowohl die Arbeitsunfähigkeitsdauer als auch die Zahl der Erwerbsminderungsrenten ging bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Gelenkkrankheiten seit 1997 stetig zurück.

Dieser Trend sei bei Rheumakranken deutlich stärker ausgeprägt als bei der Gesamtheit aller Krankheiten, was auf einen Zusammenhang mit verbesserten medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapiestrategien hinweist, wird Professor Wilfried Mau, Direktor des Instituts für Rehabilitationsmedizin der Universität Halle-Wittenberg, in der Mitteilung zitiert.

Untermauert wird dies durch seine jüngst veröffentlichte Studie (Z Rheumatol. 2014/1): Teilhabe am Arbeitsleben wird als Ziel medizinischer Interventionen zunehmend wichtiger.

Denn Arbeitsunfähigkeit und vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsleben bedeuten für die Betroffenen neben dem Armutsrisiko auch soziale Vereinsamung und Verlust des Selbstwertgefühls.

Grund zum Optimismus gibt daher die aktuelle Analyse der Erwerbstätigkeit von Rheumakranken anhand von Sozialversicherungsdaten und Daten aus der Kerndokumentation der Rheumazentren, die Mau jetzt in der Zeitschrift für Rheumatologie veröffentlichte.

So nahmen zum Beispiel von 1997 bis 2011 die Arbeitsunfähigkeitsepisoden bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis um 32 Prozent ab. Die mittlere Arbeitsunfähigkeitsdauer sank pro Patient um 42 Prozent und bei allen Beschäftigten mit einer rheumatoiden Arthritis sogar um 63 Prozent.

Dagegen war die mittlere Arbeitsunfähigkeitsdauer bei allen GKV-Pflichtversicherten im Jahr 2011 nur um 3 Prozent gegenüber 1997 reduziert. Ähnlich positiv ist die Entwicklung bei der Zahl der Erwerbsminderungsrenten, die von 2001 bis 2011 bei den häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen stetig abnahm und sich ebenfalls deutlich günstiger entwickelte als für die Gesamtheit aller Krankheiten in Deutschland.

Laut der Kerndokumentation sind gegenüber 1997 Patienten mit rheumatoider Arthritis im Jahr 2011 um 3-8 Prozent seltener berentet worden. Während 1997 in den ersten 2 Krankheitsjahren bereits 8 Prozent der Betroffenen berentet worden waren und nach 5 Jahren 16 Prozent, betraf dies 2011 nach 2 Jahren nur 5 Prozent und in den ersten 2-5 Jahren 10 Prozent.

Ältere prospektive Langzeitstudien zeigen für 1997 sogar eine Berentung von 15 Prozent innerhalb der ersten beiden Krankheitsjahre und 28 Prozent nach 6,5 Jahren. Die Steigerung des Anteils Erwerbstätiger mit rheumatoider Arthritis zwischen 1997 und 2011 war mit 14 Prozent am deutlichsten bei Frauen mittleren Alters.

"Hier ist vor allem ein Zusammenhang mit wirksamen Medikamenten und konsequenten nicht-medikamentösen Therapiestrategien anzunehmen", betont Mau.

Trotz dieser deutlichen Verbesserungen bleibt laut Mau weiterhin viel zu tun: Unbefriedigend ist für ihn vor allem, dass im Jahr 2012 die Hälfte der Patienten in den letzten 5 Jahren vor ihrer Frühberentung wegen Rheuma keine stationäre Leistung zur medizinischen Rehabilitation der Deutschen Rentenversicherung erhalten haben.

Angesichts der sich abzeichnenden, erheblichen Effekte einer Kombination von wirksamen medikamentösen Therapien und nicht-medikamentösen Interventionen auf die Erwerbsfähigkeit sieht er hier noch viel Spielraum für eine weitere Verbesserung der Teilhabe am Arbeitsleben von Rheumapatienten. (eb)

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