Ärzte Zeitung online, 11.08.2017
 

Deutsche Rheuma Liga

Umfrage offenbart Defizite in der Rheumatherapie

In einer Umfrage der Deutschen Rheuma Liga unter rund 1000 Betroffenen zeigt sich als ein Kritikpunkt die lange Wartezeit auf einen Arzttermin. Rund 30 Prozent warten länger als einen Monat bei einem akuten Schub.

BONN. Im Vorfeld der Bundestagswahl hat die Deutsche Rheuma Liga eine Umfrage unter gestartet, um herausfinden, ob sie mit ihrem im Mai erstellten "Aktionsplan Rheuma" auf dem richtigen Weg ist, heißt es einer Pressemitteilung. Rund 1.000 Personen hätten teilgenommen und detailliert beschrieben, vor welchen Problemen sie stehen, so die Selbsthilfeorganisation.

Ein zentrales Ergebnis: Es dauert nach wie vor viel zu lange, bis Rheuma diagnostiziert wird. Über die Hälfte der Befragten hat der Umfrage zufolge vier Monate oder länger warten müssen, bis ein Rheumatologe die Diagnose gestellt hatte. Nur etwa 10 Prozent haben einen Termin in den ersten sieben Tagen erhalten.

Auch bei einem akuten Schub müssen an Rheuma Erkrankte lange Wartezeiten hinnehmen, wie die Selbsthilfeorganisation berichtet. Rund 30 Prozent warteten länger als einen Monat auf einen Termin. Immerhin erhalte jeder Fünfte (19 Prozent) innerhalb von drei Tagen einen Termin beim Rheumatologen.

Ähnlich lange Wartezeiten zeichnen sich laut Umfrage auch bei Terminen bei Orthopäden ab. Über 25 Prozent warten dort länger als einen Monat auf einen Termin.

Beim Thema Rente herrschen große Enttäuschung und Sorgen unter den Betroffenen. Fast 70 Prozent der Befragten fühlten sich in puncto finanzielle Sicherung im Alter von der Politik im Stich gelassen. Die Neuregelungen zur Erwerbsminderungsrente werden das Risiko der Altersarmut für junge Rheumatiker nicht wesentlich verbessern, so eine Einschätzung. Private Altersvorsorge sei zudem schwierig, wenn das Einkommen nicht reiche, um Geld beiseitezulegen, sagte über die Hälfte der Befragten. Als finanzielle Belastungen wurden nicht-verschreibungspflichtige Medikamente und Fahrtkosten zu Therapien und Ärzten von mehreren hundert Euro pro Jahr genannt.

Mit Blick auf die Arbeitswelt kritisierten die Befragten die teils noch sehr starren Arbeitszeit-Modelle, die u. a. Arztbesuche erschwerten. Rund 81 Prozent der Befragten haben sich dafür ausgesprochen, dass es einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice geben sollte.

Die Ergebnisse will die Deutsche Rheuma-Liga nun in ihre politische Arbeit einbringen und Abgeordneten mitteilen, was Menschen mit Rheuma von der Politik nach der anstehenden Bundestagswahl erwarten. (run)

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