Ärzte Zeitung online, 24.11.2008

Weichmacher in Haarspray kann offenbar Hypospadie-Risiko erhöhen

London (eb). Frauen, die in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft am Arbeitsplatz Haarspray ausgesetzt sind, bekommen offenbar häufiger Söhne mit Hypospadie als andere Frauen. Dagegen haben Frauen, die im ersten Schwangerschaftstrimester Folsäure-Präparate einnehmen, ein um 36 Prozent erniedrigtes Risiko im Vergleich zu anderen Frauen.

Das ergibt sich aus Daten einer Fall-Kontroll-Studie aus Großbritannien und Spanien mit 960 Frauen. Das Risiko, einen Sohn mit für Hypospadie zu bekommen, ist etwa bei Friseurinnen demnach um das zwei- bis dreifache erhöht. Frauen, die in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft aber Folsäure eingenommen hatten, hatten dagegen ein um 36 Prozent reduziertes Risiko. Das berichten Professor Paul Elliott aus London und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Environmental Health Perspecktives" (online vorab).

Die Daten wurden bei strukturierten Telefonaten erhoben. Befragt wurden 471 Frauen, die einen Sohn mit Hypospadie geboren hatten, sowie 490 Frauen mit Söhnen ohne diese Entwicklungsstörung. Gefragt wurde unter anderem nach Beruf, möglichem Kontakt mit verschiedenen Chemikalien sowie Lebensgewohnheiten wie Rauchen, vegetarische Ernährung und zusätzliche Einnahme von Folsäure-Präparaten.

Vermutet wird, dass die in Haarspray enthaltenen Phthalate, das sich Weichmacher, durch eine Hormon-artige Wirkung die Entwicklungsstörung bei männlichen Feten auslösen können. Hormon-ähliche Effekte von Phthalaten sind aus früheren Untersuchungen bekannt. In Großbritannien kommt einer von 250 männlichen Babys mit einer Hypospadie zur Welt. Bei ihnen mündet die Harnröhre nicht in der Penisspitze, sondern an der Penisunterseite. Betroffene werden operiert.

Zur Studie "Endocrine Disruptors in the Workplace, Hair Spray, Folate Supplementation, and Risk of Hypospadias: Case-control Study"

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