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Ärzte Zeitung online, 05.11.2010

Neuer Ansatz für die Therapie von Patienten mit Zystennieren entdeckt

FREIBURG (eb). Wissenschaftler in Freiburg haben einen neuen Ansatz für die Therapie von Patienten mit Zystennierenerkrankung entdeckt. Im Zentrum steht das Molekül mTOR, das auch in der Transplantationsmedizin von Bedeutung ist.

Fast alle Körperzellen tragen an ihrer Oberfläche eine winzige fadenförmige oder wimpernähnliche Ausbuchtung: eine Zilie. Sind diese Zilien geschädigt, kann das der Auslöser für einige vererbbare Krankheiten sein. Unter anderem kann eine solche Zilopathie zu Zystennieren führen.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen einer Arbeitsgruppe um Privatdozent Wolfgang Kühn, Nephrologe am Universitätsklinikum Freiburg, werfen ein neues Licht auf einen Therapieansatz bei Zystennierenerkrankung mit mTOR-Hemmern (Nature Cell Biology 2010; 12: 1115).

Der mTOR-Signalweg setzt Nährstoffe in Zellmasse um und sorgt bei Energieknappheit für deren Wiederverwertung. Entdeckt wurde der er durch jenes Medikament, welches ihn hemmt: das Rapamycin (TOR: Target of Rapamycin), ein Immunsuppressivum.

Die Arbeitsgruppe von Kühn hat nun erstmals nachgewiesen, dass Zilien diesen mTOR-Signalweg hemmen, wie das Universitätsklinikum Freiburg mitteilt. mTOR ist bei der Zystennierenerkrankung, der häufigsten Zilienstörung, pathogenetisch bedeutsam.

Bei dieser Erkrankung wird im Laufe des Lebens Nierengewebe zunehmend von flüssigkeitsgefüllten Zysten verdrängt. In einer kürzlich veröffentlichten Therapiestudie verringerte die Behandlung mit einem mTOR-Hemmer zwar das Nierenwachstum über einen begrenzten Zeitraum, die Nierenfunktion wurde jedoch nicht verbessert.

Die nun in "Nature Cell Biology" veröffentlichten Ergebnisse stellen eine direkte Verbindung zwischen Zilienstörung und mTOR-Fehlregulation her und bilden eine wichtige Grundlage für weitere Studien mit mTOR-Hemmern bei der Zystenniere.

Die Kontrolle von mTOR durch die Zilien ist vermutlich auch bei anderen Krankheiten von Bedeutung: Wie die Wissenschaftler der Studie zeigen, verläuft die ziliäre mTOR- Regulation durch ein Funktionseiweiß mit der Bezeichnung Lkb1.

Dieses Protein ist beim Peutz-Jeghers-Syndrom, einer angeborenen Tumorerkrankung, mutiert und besitzt darüber hinaus eine wichtige Funktion in den Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse.

Die Forschungsergebnisse lassen vermuten, dass Zilien für den Zuckerstoffwechsel bedeutsam sein könnten. Sie sind zudem ein weiterer Hinweis darauf, dass Zilien auch bei der Entstehung von Tumorerkrankungen beteiligt sein könnten.

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