Ärzte Zeitung online, 05.11.2010

Harnblase nach Alkohol-Spülung ruiniert

BAD HOMBURG (dpa). Nach dem Behandlungsfehler in der Bad Homburger Hochtaunus-Klinik vor rund zwei Wochen geht es dem betroffenen Patienten weiterhin schlecht. Ein Angehöriger des Opfers widersprach ersten Mitteilungen der Klinik, wonach der 85-Jährige auf dem Weg der Besserung sei.

Der Mann wurde demnach wegen des Zwischenfalls am Mittwoch erneut am Unterleib operiert. "Die Blase wurde stark in Mitleidenschaft gezogen", sagte der Angehörige der Nachrichtenagentur dpa. Die Familie mache sich große Sorgen. Nachdem der Senior ins Koma versetzt worden sei, habe er in der Aufwachphase kaum Reaktionen gezeigt. Er liegt wird in der Uniklinik Gießen behandelt.

Ein falsch beschrifteter Behälter hatte dazu geführt, dass dem 85-Jährigen am 21. Oktober nach einer urologischen Operation das Lösungsmittel Isopropanol bei einer Blasenspülung verabreicht worden war. Der Senior schwebte nach der Panne in Lebensgefahr. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

In Medienberichten wurde kurz nach Bekanntwerden des Falls vermutet, die Blasenspülung sei postoperativ nach einer Prostata-Op notwendig geworden.

Die Klinik und die Polizei geben auch rund eine Woche nach Bekanntwerden des Falls keine detaillierten Auskünfte. Eine Kliniksprecherin lehnte personelle Konsequenzen im Team ab: "Es war ja keine Absicht, sondern eine Verwechslung."

Die Flüssigkeit war nach Klinik-Angaben in einen Behälter umgefüllt, in dem sonst ein Mittel zur Blasenspülung aufbewahrt wird. Eine Schwesternschülerin hatte zudem die falsch etikettierte Flüssigkeit versehentlich aus einem falschen Materiallager geholt. Eine examinierte Krankenschwester absolvierte zusammen mit der Schwesternschülerin die Nachtschicht.

Um solche Fälle künftig zu vermeiden, will die Klinik ihre Lagerräume von der eines Pathologen, von dem das Lösungsmittel stammte, weiträumiger trennen. Zudem müssten die Räume künftig auch abgeschlossen sein, kündigte die Sprecherin an.

Zu möglichen Entschädigungen für den Patienten wollte die Kliniksprecherin keine Angaben machen. "Es ist zu früh, darüber zu sprechen." Die Angehörigen des Patienten hatten bereits angekündigt, einen Rechtsanwalt einzuschalten. Das Krankenhaus behält sich vor, juristische Schritte gegen den Pathologen einzuleiten.

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