Ärzte Zeitung, 13.12.2010

Dialyse: Zweifel am Nutzen phosphatarmer Ernährung

Neue Studie legt Möglichkeit einer ungünstigen Wirkung auf Sterberate nahe

BOSTON (ob). Dialyse-Patienten wird zur Vermeidung einer Hyperphosphatämie häufig eine phosphatarme Ernährung empfohlen. Diese Empfehlung muss nach Ergebnissen einer neuen Studie wohl kritisch überdacht werden.

Dialyse: Zweifel am Nutzen phosphatarmer Ernährung

Die Diät für Dialyse-Patienten muss überdacht werden.

© PA / fotolia.com

Denn diese Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine sehr restriktive Phosphatzufuhr keinen günstigen Einfluss auf die Lebenserwartung der Patienten hat.

Im Gegenteil: Die Daten sprechen sogar eher für die Möglichkeit eines ungünstigen Effekts auf die Sterberate (Clin J Am Soc Nephrol 2011 online).

Ein Forscherteam um Dr. Steven Brunelli aus Boston hat in dieser Studie die Daten von 1751 Dialyse-Patienten analysiert, die - aufgeteilt in fünf Gruppen - ihre Phosphatzufuhr in unterschiedlichem Maß (von sehr restriktiv bis keine Einschränkung) begrenzt hatten. Die Dauer der Beobachtung betrug im Schnitt 2,3 Jahre.

Dabei zeigte sich: Je schärfer die Beschränkung der Phosphataufnahme, desto schlechter war der Ernährungszustand der Patienten, die deshalb häufiger Nahrungsergänzungen benötigten.

Eine günstige Wirkung auf die Überlebensrate war nicht zu erkennen. Vielmehr gab es einen Trend zu höheren Überlebensraten mit zunehmend Freizügigkeit bei der Phosphatzufuhr.

Im Vergleich zur Subgruppe mit der schärfsten Restriktion war die Sterberate etwa in der Subgruppe, die keine Einschränkungen auferlegt bekam, um 29 Prozent niedriger.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

30 Minuten Bewegung am Tag verhindern jeden 12. Todesfall

Bewegung verlängert das Leben, das bestätigt die bisher größte Studie zum Thema. Und: Bewegung im Alltag reicht dazu schon aus, es muss kein anstrengender Sport sein. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Impfpflicht löst Masernproblem nicht

Eine Impfpflicht bei Masern würde ungeimpfte Erwachsene als Verursacher nicht erreichen und Skeptiker vor den Kopf stoßen. Ausbrüche sind nur mit mehr Engagement zu verhindern, so RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler. mehr »