Ärzte Zeitung, 10.06.2014

Frauen

Viel Pflanzenkost schützt vor Nierensteinen

Frauen kriegen seltener Nierensteine, wenn sie sich ballaststoffreich mit viel Obst und Gemüse ernähren.

SEATTLE. Gibt es eine Form der Ernährung, die mit einem niedrigen Risiko für Nierensteine assoziiert ist? Dieser Frage haben sich Forscher um den Urologen Dr. Matthew Sorensen von der University of Washington School of Medicine angenommen.

Sie haben dazu Ernährungsdaten aus der Womens's Health Initiative (WHI) Observational Study analysiert (J Urol 2014; online 21. Mai). Die untersuchte Kohorte bestand aus 83.922 Frauen nach der Menopause im mittleren Alter von 64 Jahren. Bei 3471 war eine Nephrolithiasis bekannt.

Binnen acht Jahren entwickelten 3,5 Prozent der Probandinnen Nierensteine. Nach Abgleich von Risikofaktoren wie Alter, Diabetes, BMI und Ernährungsgewohnheiten erwies sich eine höhere Aufnahme von Ballaststoffen als Schutzfaktor gegen ein Steinleiden.

Frauen mit einem Faserkonsum im höchsten Quintil (21,9 bis 99,4 g am Tag) hatten ein um 22 Prozent geringeres Steinrisiko als Frauen mit Faserkonsum im niedrigsten Quintil (0 bis 10,6 g/Tag).

Bei drei bis elf Portionen Obst am Tag war das Risiko für Nierensteine 15 Prozent geringer als bei maximal einer Obstportion am Tag. Bei hohem Gemüsekonsum betrug der Schutzeffekt 22 Prozent (verglichen wurden 3,3 bis 13,3 Portionen vs. 0 bis 1,2 Portionen/Tag).

Der Nutzen von Ballaststoffen, Obst und Gemüse entfaltete sich aber nur bei Frauen ohne Nierensteine in der Vorgeschichte. Auf das Rezidivrisiko ehemaliger Steinträgerinnen wirkten sich Obst und Gemüse hingegen nicht aus. In dieser Gruppe entwickelten denn auch 15 Prozent der Frauen ein Steinrezidiv, während es in der ersten Gruppe nur zu 3 Prozent Neuerkrankungen kam.

Sorensen und sein Team erklären den schützenden Effekt der pflanzlichen Nahrungsmittel mit einer Erhöhung von Urinvolumen, pH-Wert, Kalium, Magnesium, Zitrat, Phytat und anderen die Steinbildung hemmenden Substanzen. Hierdurch nehme die Übersättigung mit Kalziumoxalat und Harnsäure ab.

Unklar ist allerdings, weshalb dieser Effekt nicht auch jenen Frauen zugutekommt, die bereits einmal an Nephrolithiasis erkrankt waren. Die Forscher vermuten, es bestünden grundlegende Unterschiede zwischen Frauen, die bereits vor dem 60. Lebensjahr an einem Steinleiden erkrankten, und solchen, bei denen dies erst später der Fall sei.

Doch immerhin zeige die Studie, dass eine stark pflanzliche Ernährung das Rezidivrisiko nicht erhöhe. Diese Bedenken existieren, weil einige Gemüsesorten - wie Spinat, Mangold, Rüben und Rhabarber - reich an Oxalat sind. Bei entsprechender Ernährung lässt dies ein erhöhtes Steinrisiko als möglich erscheinen. (rb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Infarktgefahr durch schnellen Anstieg von Stickoxiden

Hohe Stickoxidkonzentrationen in der Umgebungsluft können auch das Herzinfarktrisiko erhöhen. Aber auch ein schneller NO-Anstieg scheint gefährlich zu sein. mehr »

Liebe überwindet geistige Behinderung

Eine Anlaufstelle in Mainz kümmert sich, wenn Menschen mit geistiger Behinderung wegen unerfüllter Sehnsucht nach Lust und Liebe das Herz schwer ist. Anfragen kommen aus ganz Deutschland. Trotzdem droht die Schließung. mehr »

Putzen schadet der Lunge ähnlich wie Rauchen

Schlechte Nachrichten für Sauberkeitsfans: Wer regelmäßig Reinigungsmittel benutzt, schadet seiner Lunge so, als ob man jahrelang raucht. Diesen Effekt fanden Forscher aber nur bei Frauen – doch sie haben dafür eine Erklärung. mehr »