Ärzte Zeitung, 10.01.2017
 

Reproduktionsmedizin

Joggen macht Spermien mobil

Sportliche Höchstleistungen sind nicht nötig, um die Spermien in Schwung zu bringen. Ein kontinuierliches Training mäßiger Intensität beflügelt die männliche Reproduktionsfähigkeit möglicherweise am meisten.

Von Christine Starostzik

Joggen macht Spermien mobil

Sport wirkt sich wohl positiv auf die Samenqualität und die Unversehrtheit der DNA aus.

© Sebastian Schreiter / Springer Verlag GmbH

GIESSEN. Körperliche Aktivität nimmt Einfluss auf immunologische und oxidative Vorgänge in Körperflüssigkeiten, Organen und Geweben. Doch nur wenige Daten existieren bislang dazu, welche Auswirkungen ein kontinuierliches Training auf die Fortpflanzungsfähigkeit hat.

Nun haben Reproduktionsexperten um Behzad Hajizadeh Maleki von der Universität Gießen in einer randomisierten, kontrollierten Studie den Effekt von Sport unterschiedlicher Intensität auf männliche Fruchtbarkeitsmarker analysiert (Reproduction 2017, 153: 157–174).

Dabei wurden 280 gesunde Männer zwischen 25 und 40 Jahren nach dem Zufallsprinzip einem von drei Trainingsmodulen (kontinuierliches Training moderater Intensität, MICT; kontinuierliches Training hoher Intensität, HICT; Intervalltraining hoher Intensität, HIIT) und einer Nichtsportgruppe zugeordnet.

Entzündungsmarker analysiert

Zu Studienbeginn, nach 12 und 24 Wochen Training sowie 7 und 30 Tage nach Trainingsende wurden im Sperma Entzündungsmarker (IL-1β, IL-6, IL-8, TNF-α) und Marker für oxidativen Stress (Oxidanzien: reaktiver Sauerstoff, Malondialdehyd, 8-Isoprostan; Antioxidanzien: Superoxiddismutase, Katalase, gesamte antioxidative Kapazität) bestimmt und die Samenzellen wurden auf Qualität, Intaktheit und DNA-Schäden untersucht.

Nach 24 Wochen kontinuierlichen Trainings hatten sich die Spiegel der Indikatoren für oxidativen Stress und Entzündung bei den gesunden Männern aller drei Sportgruppen im Vergleich zu den Ausgangswerten signifikant verringert. Die Vorteile zeigten sich noch sieben, zum Teil auch noch 30 Tage nach Beendigung des Trainings. Diese Veränderungen wiederum wirkten sich positiv auf die Samenqualität und die Unversehrtheit der DNA aus.

MICT war günstigste Trainingsform

Als günstigste Trainingsform für die männliche Reproduktionsfähigkeit ermittelten Maleki und Kollegen die MICT. Hinsichtlich Beweglichkeit, Morphologie und Anzahl waren die Spermien der Probanden, die moderat trainiert hatten, denen der anderen Gruppen nach 12 und 24 Wochen überlegen.

In der MICT-Gruppe waren die Männer in den ersten zwölf Wochen an drei bis vier Tagen pro Woche jeweils 25–30 Minuten auf dem Laufband gejoggt oder gelaufen. Danach wurde das aerobe Training auf jeweils 40–45 Minuten an vier bis sechs Tagen pro Woche gesteigert.

Die Studienautoren gehen davon aus, dass auch trainingsbedingte Veränderungen bei Gewicht, BMI, Körperfett und Taillenumfang zu den antiinflammatorischen Effekten beigetragen haben. In diesen Bereichen erzielten alle trainierenden Männer im Vergleich zur Nichttrainingsgruppe nach 24 Wochen signifikante Vorteile.

Diese Studie, so Maleki und Kollegen, habe ergeben, dass Intensität, Dauer und Art des Sportprogramms berücksichtigt werden müssten, wenn der Einfluss körperlicher Aktivität auf die Reproduktionsfähigkeit untersucht werde.

Training bei Kinderwunsch?

Wie sich die Veränderungen der Marker letztlich auf die tatsächliche Reproduktionsfähigkeit eines Mannes auswirkten, bleibe abzuwarten, so die Autoren. Vielleicht können Männer mit Kinderwunsch in absehbarer Zeit ja entsprechende Trainingsempfehlungen berücksichtigen, um ihrer Familienplanung schneller Hand und Fuß zu verleihen.

Studienergebnisse

Ein kontinuierliches Training moderater Intensität scheint sich am günstigsten auf die männliche Reproduktionsfähigkeit auszuwirken.

Hinsichtlich Beweglichkeit, Morphologie und Anzahl waren die Spermien der Probanden, die moderat trainiert hatten, denen anderer Trainingsgruppen beziehungsweise der Nichtsportgruppe nach 12 und 24 Wochen überlegen.

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