Ärzte Zeitung online, 16.06.2017
 

Nach Nierentransplantation

Salzrestriktion mindert Nykturie

Mehr als die Hälfte der Empfänger von renalen Allotransplantaten entwickelt nach der Organübertragung eine nächtliche Polyurie. Eine salzrestriktive Diät hilft offenbar, das Harnvolumen in der Nacht zu senken.

Von Robert Bublak

KYOTO. Nykturie ist unter den Empfängern von Spendernieren verbreitet, oft schon deshalb, weil sich die Blasenkapazität während der Zeit der renalen Minderfunktion reduziert hat. Die Blase passt sich den veränderten Gegebenheiten zwar relativ rasch an. Doch die nächtliche Polyurie bleibt nicht selten weit länger bestehen.

Ein Faktor, der dazu beiträgt, ist die Salzretention nach der Transplantation. Dies kann zu Volumenexpansion und Hypertonie nach dem Non-Dipper-Muster mit nachts erhöhten Druckwerten führen. Nächtliche Natriumexkretion und mittlerer nächtlicher Blutdruck wiederum korrelieren mit der Urinproduktion während der Nacht.

Urologen von der Universität Kyoto haben in einer prospektiven Studie mit 38 Empfängern von Nierentransplantaten untersucht, ob eine Einschränkung der Natriumzufuhr die nächtliche Harnflut einzudämmen hilft (Urology 2017, online 26. April). Die 24-Stunden-Natriumausscheidung der Probanden lag über 100 mEq (2,3 g), ihr Blutdruck war medikamentös eingestellt oder überschritt 130/80 mmHg, und ihr BMI lag jenseits von 25 kg/m2. Unter diesen Voraussetzungen hielten die Forscher eine Ernährungsberatung ohnehin für angemessen. Und so wurden die Teilnehmer in drei Sitzungen von einem zertifizierten Ernährungsberater darin unterwiesen, den Salzgehalt ihrer Mahlzeiten zu berechnen und zu reduzieren. Die Natriumzufuhr über 24 Stunden sollte 100 mEq nicht überschreiten, was in etwa dem Äquivalent von einem Teelöffel Salz entspricht.

23 (60,5 Prozent) der Probanden hatten eine nächtliche Polyurie mit einem Urinvolumen von mehr als 10 ml/kg KG, 15 blieben davon verschont. Unter der Salzrestriktion sank die Natriumausscheidung der Probanden mit nächtlicher Polyurie signifikant von 169,5 auf 125,6 mEq, das Urinvolumen ging von 862 auf 709 ml zurück. Und auch der Anteil des nachts ausgeschiedenen Volumens am 24-Stunden-Urin wurde reduziert, nämlich von 38,9 auf 33,0 Prozent. Bei den Probanden, die keine nächtliche Polyurie aufwiesen, bewirkte die salzarme Diät keine statistisch bedeutsamen Änderungen dieser Parameter.

"Die Ergebnisse unserer Studie sind mit der Hypothese vereinbar, wonach die Urinmenge in der Nacht, aber nicht während des Tages unter der Diät zurückgeht", schreibt das Team um Yoshinaga Okumura im Studienfazit. Ein solcher Diätversuch sollte einer medikamentösen Diuretikatherapie von Patienten mit Spenderniere vorausgehen. Darüber hinaus seien prospektive Studien wünschenswert, die den Effekt der Natriumrestriktion allgemein bei Patienten mit nächtlicher Polyurie testen.

33% betrug der Anteil des nachts ausgeschiedenen Volumens am 24-Stunden-Urin unter Salzrestriktion. Ohne die Diät betrug er 38,9 Prozent.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »