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Ärzte Zeitung online, 18.07.2017

Nierensteine

Für die Analyse reicht schon Nachturin

Urinsammeln ist für Nierensteinpatienten sehr lästig – vor allem tagsüber. Doch offenbar genügt es, zur Analyse auf den Nachturin zu setzen, haben Forscher nun analysiert.

Von Thomas Müller

Für die Analyse reicht Nachturin

Röntgenbild mit Nierensteinen: Lästiges Urinsammeln kann Betroffenen offenbar erspart werden.

© stockdevil / stock.adobe.com

CLEVELAND. Nicht selten wird von Patienten mit Nierensteinen zur Analyse der 24-Stunden-Urin angefordert, vor allem dann, wenn sie unter Rezidiven leiden. Studien haben ergeben, dass eine Wiederholung des Tests wesentlich bessere Resultate liefert als eine einmalige Bestimmung des 24-Stunden-Urins, berichten Urologen um Dr. Brian Hinck von der Cleveland Clinic (Urology 2017, online 10. Juli).

Für die Patienten ist es jedoch alles andere als angenehm, wenn sie ein- bis zweimal den ganzen Tag über ihren Urin auffangen müssen. Wer nicht gerade in Rente oder arbeitslos ist, wird diese Aufgabe daher aufs Wochenende verlagern.

Dann sind jedoch Ernährungs- und Lebensbedingen mitunter deutlich anders als unter der Woche, was die Resultate verfälschen kann, vermuten die US-Urologen. Besser wäre also eine Methode, die es den Patienten erlaubt, ihren Urin auch unter der Woche ohne Probleme zu sammeln.

Hohe Korrelation

Die Forscher um Hinck haben in einer prospektiven Studie geschaut, ob vielleicht der Nachturin genügt. Da die meisten Patienten nachts zu Hause sind, sollte das Urinsammeln dann auch wochentags keine Probleme bereiten. Zudem ist der Urin nachts in der Regel konzentrierter als tagsüber, dies könnte die Aussagekraft steigern.

An der Studie haben 35 Patienten mit Urolithiasis teilgenommen, bei denen zweimal eine 24-Stunden-Kollektion angefordert wurde. Eine davon sollte wochentags, die andere am Wochenende erfolgen. Die Patienten wurden instruiert, den Tagurin – beginnend mit der zweiten Blasenentleerung nach dem Aufstehen – vom Nachturin zu separieren.

Die ersten zwölf Stunden nach dem Aufstehen flossen in Behälter für den Tagurin, die übrigen inklusive des ersten Urins nach dem Aufstehen in die Gefäße für den Nachturin. Analysiert wurden etwa Kalzium, Oxalat, Zitrat, Harnsäure und Kreatinin. Das Alter der Teilnehmer betrug im Mittel 59 Jahre, der BMI lag bei 31.

Die Patienten lieferten insgesamt 49 komplette Proben ab. Dabei zeigte sich eine deutliche Korrelation zwischen 24-Stunden- und Nachturinwerten. Der Korrelationskoeffizient lag zwischen 0,76 für den pH-Wert und 0,96 für Zitrat. Werte von 1 kennzeichnen eine vollständige Übereinstimmung.

Ähnliche Therapieempfehlungen

Bei fünf Proben fanden die Ärzte eine Kalziumoxalatübersättigung im 24-Stunden-Urin, diese war auch in allen fünf zugehörigen Nachturinproben nachweisbar und zusätzlich in zwei weiteren Nachtproben.

Acht 24-Stunden-Proben zeigten erhöhte Kalziumphosphatwerte, in sieben der entsprechenden Nachtproben waren die Werte ebenfalls erhöht. Neun Ganztagsproben offenbarten erhöhte Harnsäurewerte, diese zeigten sich auch in acht der Nachtproben sowie einer zusätzlichen Nachtprobe, bei der die 24-Stunden-Werte unauffällig waren.

Die Korrelation zwischen Tag- und Ganztagswerten war deutlich schwächer, schreiben die Urologen. Unterschiede zwischen Werktagen und Wochenenden gab es praktisch keine.

Insgesamt korrelieren also vor allem die Nachtwerte mit den 24-Stunden-Werten. Da nachts häufig höhere Konzentrationen von Nierensteinbestandteilen festgestellt wurden als bei den 24-Stunden-Proben, könnte die Analyse des Nachturins eine deutlich höhere Sensitivität für metabolische Probleme aufweisen, geben die Autoren der Studie zu bedenken.

Wurden Therapieempfehlungen von den Messungen abgeleitet, stimmten diese bei der Gesamtprobe und der Nachtprobe zu 92 Prozent überein. Insgesamt würden bei der Gesamtprobe kritische Werte tendenziell eher übersehen. Dies müsse jetzt natürlich in größeren Studien evaluiert werden, schreiben Hinck und Mitarbeiter.

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