Ärzte Zeitung online, 06.12.2017

Umfrage

Penisverkrümmung lässt Männer dauerhaft leiden

Von alleine geht eine Peyronie-Krankheit kaum zurück: Werden die penilen Plaques nicht invasiv angegangen, führt das nur selten zu spürbaren Verbesserungen.

Von Thomas Müller

Penisverkrümmung lässt Männer dauerhaft leiden

Eine Penisverkrümmung wirkt sich negativ auf das Sexualleben aus.

© detailblick / fotolia.com

ROCHESTER Leiden Männer tatsächlich unter einer ausgeprägten Induratio penis plastica (IPP), wird in der Regel ein chirurgischer Eingriff zur Begradigung empfohlen. Außerhalb von Deutschland ist auch eine Injektion von Kollagenase aus dem Gasbranderreger Clostridium histolyticum möglich, hierzulande wurde das Präparat jedoch im Zuge einer Kostenerstattungsdiskussion nach einer Nutzenbewertung durch den GBA vom Markt genommen.

Erläutert man betroffenen Männern die Behandlungsmethoden, wollen sich viele trotz Leidensdruck nicht an ihrem besten Stück operieren lassen und finden auch Kollagenase-Injektionen wenig attraktiv. Stattdessen setzen sie auf eine konservative Behandlung – was in der Regel keiner Behandlung entspreche, schließlich gebe es neben der Op. und Injektionen bislang keine anderen in Studien als hilfreich erkannten Verfahren, erläutern Urologen um Dr. Matthew Ziegelmann von der Mayo Clinic in Rochester.

Zwei Drittel mit Penisverkürzung

Anhand einer Umfrage versuchten die Ärzte herauszufinden, wie es denjenigen Männern ergeht, die sich für keinen oder einen konservativen Ansatz entscheiden. Dazu schickten sie einen detaillierten Fragebogen an 720 Männer, die in ihrer Klinik zwischen 1990 und 2012 – also noch vor Einführung der Kollagenase-Behandlung – aufgrund einer IPP untersucht worden waren. Die Fragen zielten auf Peniskrümmung, Schmerzen, Sexualfunktion und Lebensqualität. Berücksichtigt wurden nur Antworten von Männern mit keiner oder konservativer Behandlung. 162 (23%) antworteten, davon hatten 125 auf eine Op. verzichtet.

Die Männer waren im Schnitt 65 Jahre alt und zum Zeitpunkt der Umfrage seit 8,4 Jahren erkrankt. Ein Fünftel hatte eine medikamentöse Therapie versucht, etwa mit Vitaminpräparaten, Tamoxifen oder Carnitin, ein Viertel eine Vakuumpumpentherapie.

Insgesamt 38% hatten angegeben, ihre Beschwerden seien seit der Eingangsuntersuchung zumindest etwas zurückgegangen, 26% meinten, sie hätten zugenommen. Letzteres war vor allem bei Patienten mit einer Krankheitsdauer von weniger als fünf Jahren der Fall. Offenbar stabilisiert sich die Erkrankung bei den meisten mit der Zeit.

Nur 17% schrieben, die Krümmung sei komplett verschwunden, 27% nannten immerhin eine leichte Verbesserung, 20% klagten über eine Zunahme. 13% berichteten über eine zweite Krümmung, die sich im Median fast zwei Jahre nach der Eingangsuntersuchung gebildet hatte.

Bei der ärztlichen Untersuchung hatten 42% Penisschmerzen angegeben, diese waren im Median nach einem Jahr bei den allermeisten (84%) zurückgegangen. Zum Zeitpunkt der Umfrage gab aber ein Drittel aller antwortenden Männer an, unter Schmerzen zu leiden, immerhin 11% tat der Penis auch im nicht erigierten Zustand weh. Zwei Drittel beobachteten eine Penisverkürzung.

Sexualfunktion nachhaltig beeinträchtigt

Weitaus gravierendere Auswirkungen hat die IPP offenbar auf die Sexualfunktion: 60% verloren nach eigenen Angaben zunehmend ihre Erektionsfähigkeit, zwei Drittel gaben an, immer seltener Sex zu haben, und drei Viertel sahen ihre Partnerschaft durch die Erkrankung belastet. Mit einem Wert von im Schnitt 7 Punkten auf einer Skala von 0–10 Punkten fühlten sich die Männer in ihrer Sexualität recht stark beeinträchtigt. Bei mehr als der Hälfte litt zudem das Selbstwertgefühl, das waren vor allem Männer, die eine Penisverkürzung feststellten.

Was lässt sich nun aus den ganzen Angaben schließen? Nach Auffassung der US-Urologen kommt es zu Beginn der IPP zu einer deutlichen Progression über einige Monate bis Jahre hinweg – in dieser Phase klagen die Betroffenen am ehesten über Schmerzen und Symptomverschlimmerungen. Anschließend scheint sich der Verlauf zu stabilisieren und die Beschwerden gehen teilweise etwas zurück. Schlimmer sind wohl die persistierenden Auswirkungen auf Sexualfunktion, Partnerschaft und Selbstwertgefühl.

Ein großes Manko der Studie ist natürlich die geringe Rücklaufrate von weniger als einem Viertel der Angeschriebenen. Es ist also unklar, ob die Angaben repräsentativ sind. Zudem sind alle Daten retrospektiv ermittelt worden und subjektiv geprägt – ob sich etwa die Peniskrümmung tatsächlich verändert hat oder nicht, konnte nicht belegt werden. Auch hatten die meisten Männer (58%) bei der Eingangsuntersuchung eine Peniskrümmung von weniger als 30% – sie waren also weniger stark betroffen. Immerhin, so schreiben Ziegelmann und Mitarbeiter, liefern diese Langzeitdaten gewisse Hinweise über den Verlauf der IPP und können daher zur Patientenberatung genutzt werden. (sts)

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