Ärzte Zeitung, 07.03.2005
 

Interdisziplinäres Forum zu ED gegründet

FRANKFURT AM MAIN (hsr). Zur Erweiterung des Wissens über Ursachen, Diagnose und Therapie bei erektiler Dysfunktion (ED) hat jetzt eine Gruppe deutscher Urologen, Internisten und Psychologen eine Fortbildungs-Akademie gegründet.

Das vom Unternehmen Lilly ICOS unterstützte interdisziplinäre Forum, das sowohl internationale und nationale Kongresse als auch regionale Workshops ausrichten wird, vergibt zudem dieses Jahr erstmals den "Forschungspreis Sexualmedizin".

"Die ED ist immer der Wink mit dem Zaunpfahl", erinnerte Professor Hartmut Porst bei der Gründungs-Pressekonferenz in Frankfurt am Main. Denn Erektionsstörungen können bekanntlich klinische Erstmanifestation bei Diabetes oder KHK und Begleitsymptom bei Depressionen sein.

Nach Angaben des Hamburger Urologen sollten daran erkrankte Männer deshalb zusätzlich zum Check-up der Prostata stets auf kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Atherosklerose und Bluthochdruck sowie auf psychische Probleme untersucht werden. Zur Diagnostik und Behandlung bei ED müßten Urologen unter anderen mit Kardiologen und Psychologen eng kooperieren.

Als Beispiel dafür, wie häufig die ED Gradmesser für Risikoerkrankungen sein kann, nannte Porst die Resultate einer Kölner Studie mit 853 dieser Patienten, wonach über 20 Prozent von ihnen einen bisher nicht erkannten Diabetes, knapp ein Drittel eine Hypertonie und mehr als 70 Prozent Symptome des unteren Harntrakts (LUTS - lower urinary tract syndrom) wie Miktionsbeschwerden hatten.

Den Ergebnissen einer anderen Studie zufolge haben 80 Prozent der Männer mit ED ohne Herzbeschwerden mindestens einen kardialen Risikofaktor, 56 Prozent im Belastungs-EKG KHK-Symptome und 40 Prozent in der Koronarangiographie deutliche Stenosen in wenigstens einem Hauptstammgefäß.

Das Fach "Sexualmedizin" ist, wie Porst bedauerte, in keinem Lernzielkatalog einer deutschen Universität etabliert, eine Lücke, die sich mit Gründung der Fortbildungs-Akademie schließen könnte. Eine Aufwertung des "von vornherein interdisziplinär angelegten Faches" erhofft sich der Urologe außerdem durch den jährlich ausgeschriebenen und mit 5000 Euro dotierten Lilly ICOS Forschungspreis Sexualmedizin.

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