Forschung und Praxis, 13.02.2006

Frust statt Lust? Über Potenz reden Männer meist nur ungern

In Deutschland sprechen nur 17 Prozent der Patienten das Thema beim Arzt an

Es gibt Themen, über die spricht man(n) nur ungern - nicht mal mit seinem Arzt. Erektile Dysfunktion und andere sexuelle Probleme gehören dazu. So passiert es wohl recht häufig, daß der Hausarzt Männer mit ED in seiner Praxis sitzen hat, ohne es zu ahnen. Verlegenheit, Schamgefühl und das Unwissen über die guten Therapiemöglichkeiten halten die Betroffenen ab, offen über das Thema zu sprechen.

"Männer sind furchtbar stark, Männer kriegen’n Herzinfarkt, oh Männer sind so verletzlich ..." So charakterisiert Herbert Grönemeyer seine Geschlechtsgenossen. Männer sind zudem anscheinend recht schamhaft, vor allem, wenn es um Themen wie erektile Dysfunktion (ED) geht.

Deutlich wird dies auch durch die Ergebnisse der "Global Study of Sexual Attitudes", in der weltweit über 27 000 Menschen über ihre Sexualität befragt worden sind - darunter etwa 2000 aus Deutschland. Eine der Fragen sollte klären, wie viele Menschen ihren Arzt um Rat fragen, wenn es um sexuelle Schwierigkeiten geht. Dabei stellte sich heraus, daß in Deutschland 17 Prozent der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten um Hilfe nachgefragt hatten.

In Frankreich zum Beispiel waren es mit 37 Prozent mehr als doppelt so viele. Im Gegensatz dazu lagen die Deutschen mit 11 Prozent in Europa vorne, wenn es um die Frage ging, ob sich der Arzt beim Patienten nach sexuellen Schwierigkeiten erkundigt hatte.

Hier bildeten die Italiener mit 4 Prozent das Schlußlicht. Insgesamt hatten aber 42 Prozent der Männer in den vergangenen zwölf Monaten länger als zwei Monate sexuelle Schwierigkeiten gehabt, wie in der Befragung des Unternehmens Pfizer deutlich wurde.

Erfolgsrate mit PDE-5-Hemmern beträgt bei ED etwa 80 Prozent

Dabei kann vielen Männern mit ED medikamentös geholfen werden. Die Erfolgsrate mit PDE-5-Hemmern ist recht hoch: Bei etwa 80 Prozent der ED-Patienten kann eine ausreichende Erektion erzielt werden. Welchen PDE-5-Hemmer die Patienten wählen, hängt davon ab, wie flexibel sie ihr Sexualleben gestalten wollen.

Denn die PDE-5-Hemmer unterscheiden sich in ihrer Halbwertszeit, in ihrer Wirkdauer sowie in der Zeit, bis die Wirkung eintritt. Nach Angaben von Professor Hartmut Porst aus Hamburg sollte der Patient am besten alle drei erhältlichen Substanzen ausprobieren und dann entscheiden, mit welcher er am besten zurecht kommt.

Sildenafil (Viagra®) sollte etwa 60 Minuten und Vardenafil (Levitra®) etwa 30 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, die Wirkung hält im Durchschnitt vier (Sildenafil) oder sechs Stunden (Vardenafil) an. Bei Tadalafil (Cialis®) werden die maximalen Wirkspiegel nach zwei Stunden erreicht, und die Wirkung hält bis zu 36 Stunden an.

Wirken diese Substanzen nicht, oder sind sie kontraindiziert, stehen Medikamente wie intrakavernös appliziertes Alprostadil (etwa Caverject®, Viridal®) zur Verfügung. Hierbei wird die Substanz unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr in den Schwellkörper des Penis gespritzt. Alternativ kann die Vakuumpumpe angewendet werden, mit deren Hilfe Blut in den Penis gepumpt wird. (otc)

ED als Vorbote für Gefäßkrankheiten

Bei Patienten mit ED sollte immer auch nach kardiovaskulären Risikofaktoren gesucht werden. Foto: Klaro

Immer mehr Untersuchungen bestätigen, daß eine erektile Dysfunktion (ED) Vorbote für Gefäßkrankheiten sein kann. So auch eine Studie über einen Zeitraum von sieben Jahren (Prostate Cancer Prevention Trial), an der 9457 Männer teilgenommen haben.

Wie die Urologen um Dr. Ian M. Thompson vom University of Texas Health Science Center in San Antonio berichten, hatten hier Männer mit ED ein zweifach erhöhtes Risiko, kardiovaskulär zu erkranken, also etwa eine Angina pectoris, einen Myokardinfarkt, einen Schlaganfall oder eine transiente ischämische Attacke zu bekommen (JAMA 294, 2005, 2996). (eb)

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