Ärzte Zeitung online, 20.10.2011

Stent macht potent

Normalerweise halten kleinste Gefäßstützen aus Draht die Koronararterien offen. Doch nun überraschen US-Forscher mit einer weiteren Anwendungsmöglichkeit der Stents: Sie helfen auch bei Erektionsstörungen.

Stent in Beckenarterie verbessert gestörte Erektion

Er steht: Ein Stent könnte geholfen haben.

© WoGi / fotolia.com

LAS VEGAS (ob). Kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Hypertonie oder Diabetes sind nicht nur mit der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch mit dem Auftreten einer erektilen Dysfunktion (ED) assoziiert.

Die ED ist daher bei vielen kardiovaskulär erkrankten Patienten ein Indikator für eine generalisierte Gefäßatherosklerose. Sie gilt auch als früher Prädiktor für künftige kardiovaskuläre Erkrankungen.

Angesichts der häufigen vaskulären Genese einer ED haben US-Forscher um Dr. Jason Rogers aus Sacramento jetzt erstmals in einer Studie den potenziellen Nutzen der Stent-Implantation bei Männern mit Erektionsproblemen geprüft.

Gefäßstenosen in der Beckenarterie

Ermutigt sah sich das Team durch Ergebnisse einer vorangegangenen, bereits 2009 vorgestellten Pilotstudie.

In dieser Pilotstudie hatte die Arbeitsgruppe Rogers bei zehn Männern, die wegen KHK-Beschwerden zur Koronarangiografie kamen, zusätzlich eine Angiografie der Beckenarterien vorgenommen.

Dabei hatten sie vor allem mögliche stenotische Gefäßveränderungen in der Arteria pudenda interna im Visier. Sie versorgt die äußeren Genitalien und die Schwellkörper mit Blut.

DES sollten bei 50 Männern getestet werden

Ergebnis: Der anatomische Befund in den Koronararterien korrelierte eng mit dem Gefäßstatus in der Arteria pudenda: Waren in der koronaren Strombahn Stenosen vorhanden, fanden sich entsprechende Veränderungen zu 100 Prozent auch in der Beckenarterie.

Rogers Team hat darauf hin eine größere Studie in Angriff genommen, an der 50 Männer mit ED und dokumentierten Stenosen in der Arteria pudenda teilnehmen sollten, bei denen PDE-5-Hemmer zuvor keine Wirkung gezeigt hatten.

Getestet wurde, ob die Beseitigung der Stenosen durch Einlage von Medikamente freisetzenden Stents (drug-eluting stents) in diese Arterie positive Auswirkung auf die ED hat.

Keine Komplikationen nach drei Monaten

Rogers hat die Ergebnisse der auf den Namen ZEN (Zotarolimus-Eluting Peripheral Stent System for the Treatment of Erectile Dysfunction in Males with Sub-Optimal Response to PDE5 Inhibitors) getauften Studie jetzt beim Kongress VIVA 2011 (Vascular InterVentional Advances) in Las Vegas vorgestellt.

Statt der geplanten 50 haben nur 30 Männer mit ED an der Studie teilgenommen. Rogers erklärte dies mit den Schwierigkeiten, angesichts einer multifaktoriellen Genese der ED die richtige Auswahl der für die neue invasive Methode geeigneten Patienten zu treffen.

Die kathetergestützte Stent-Behandlung erwies sich bei diesen Patienten als sicher: Weder nach 30 Tagen noch nach drei Monaten waren klinische Komplikationen wie perineale Nekrosen, Stent-Thrombosen oder arterielle Embolien zu verzeichnen.

Fast 60 Prozent mit verbesserter Erektion

Zugleich war bei den meisten Studienteilnehmern auch eine günstige Wirkung auf die Erektionsfähigkeit zu beobachten.

Gemessen an einem IIEF-6-Domain-Score (International Index of Erectile Function) von vier Punkten und höher profitierten immerhin 59 Prozent der Studienteilnehmer von einer Verbesserung der erektilen Funktion.

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