Ärzte Zeitung online, 15.09.2008

Staatsanwalt bestätigt Ermittlungen gegen Innsbrucker Urologen

INNSBRUCK (dpa). Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft ermittelt wegen einer umstrittenen Inkontinenz-Studie an der Universität Innsbruck. Staatsanwalt Wilfried Siegele bestätigte, dass gegen den Hauptautoren der Studie zur Therapie von ungewollten Harnverlust, Professor Hannes Strasser, wegen des "Verdachts auf Körperverletzung und die Gefährdung der körperlichen Sicherheit" ermittelt werde.

Die Untersuchungen dürften "mehrere Monate" in Anspruch nehmen, betonte Siegele.

Auslöser für das Verfahren war nach Medienberichten eine Anzeige der österreichischen Gesundheitsbehörde AGES. Sie hatte die unter anderem vom britischen Wissenschaftsmagazin "The Lancet" veröffentlichte Studie Strassers untersucht und den Vorwurf des Wissenschaftsbetrugs und der Dokumentenfälschung gegen den Mediziner erhoben.

Inzwischen klagen auch behandelte Patienten

Gegen die Innsbrucker Klinik klagen im Zusammenhang mit der Behandlung von Inkontinenz durch Stammzellen inzwischen auch betroffene Patienten. Sie werfen den Medizinern unter anderem vor, nicht über die an ihnen vorgenommenen Behandlungsmethoden informiert worden zu sein.

"The Lancet" hat inzwischen den in diesem Blatt veröffentlichten Bericht über das Forschungsprojekt wegen gravierender Mängel offiziell zurückgezogen. Strasser ist von der Krankenversorgung abgezogen und von der Medizin-Universität suspendiert worden. Im Zusammenhang mit einer zweiten umstrittenen Studie der Urologie an Kindern wurden Ermittlungen inzwischen "wegen Verjährung" eingestellt.

Kurz nach Bekanntwerden des Falles hatte der Innsbrucker Universitätsrat den deutschen Rektor der Medizinischen Universität, Professor Clemens Sorg, abgesetzt (wir berichteten). Ihm wurde unter anderem Pflichtverletzung vorgeworfen. In den Medien hieß es allerdings, Sorg habe seinen Posten verloren, weil er den Forschungsskandal habe aufdecken wollen.

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