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Ärzte Zeitung, 21.11.2012

Kinderurologie

Das Ziel heißt soziale Kontinenz

Inkontinente Kinder sollen am sozialen Leben teilhaben können. Bei Ursachen wie Krebs gelingt das mit Gewebemodellierung.

TÜBINGEN. Einnässen, wiederkehrende Harnwegsinfekte oder ein nicht wahrgenommener Harndrang bei Kindern können Hinweise auf Fehlbildungen und Tumore des unteren Harntrakts sein.

Auch wenn diese Krankheiten selten sind, ist es wichtig, nach solchen Ursachen zu suchen, wenn gängige Therapien versagen. Wird tatsächlich Blasen- und Prostatakrebs festgestellt, gibt es immerhin die gute Nachricht, dass sich der Therapieerfolg in den letzten Jahren vervierfacht hat.

Darauf weist der Tübinger Kinderchirurg Privatdozent Philipp Szavay zum 9. Symposium der Arbeitsgemeinschaft Urologie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) in einer Mitteilung hin.

Bei Kindern und Jugendlichen ist Harninkontinenz mit über 600.000 Fällen im Jahr das häufigste urologische Problem. Meist liegen funktionelle oder psychische Störungen vor, doch auch embryonaler Blasen- und Prostatakrebs, Fehlbildungen von Harnröhre, Blase und Enddarm, Verletzungen und Spina bifida können Gründe sein.

Mögliche Folgen: Restharn in der Blase und Urinstau bis in die Niere mit Einnässen, Harnwegsentzündungen und Niereninsuffizienz. "Oft sind die Patienten auch aus ihrem Freundeskreis ausgeschlossen, ihr Selbstwertgefühl ist stark gemindert", erläutert Szavay.

Ziel der Kinderurologen sei daher, dass die Patienten am sozialen Leben teilhaben können. Wiederherstellung der sozialen Kontinenz, also einer kontrollierten Entleerung von Stuhl und Urin, stehe daher im Vordergrund.

Moderne Verfahren können heute vielfach helfen. Mit Darmgewebe werden Blasen modelliert und Abflusskanäle angelegt, um den Rückstau von Harn zu verhindern. Oft lässt sich so das Einnässen ganz verhindern.

Auch eine Dialyse sei heute viel seltener nötig. Und bei embryonalen Blasen- und Prostata-Tumoren wie dem Rhabdomyosarkom könnten 60 bis 70 Prozent der Harnblase erhalten werden, die Überlebensrate ist von 20 auf etwa 80 Prozent gestiegen. (eb)

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