Ärzte Zeitung online, 18.03.2013
 

Kinder mit LUTS

Schwache Blase und eine kranke Seele?

Kinder mit Blasenproblemen leiden häufig nicht nur unter Stress, sondern unter Umständen auch unter einer psychischen Störung. Das Risiko für Letzteres ist bei häufigem Einnässen und anderen LUTS-Symptomen nahezu verdoppelt.

Schwache Blase und eine kranke Seele?

Nasses Bett.

© McPhoto / imago

ST. LOUIS. Hinter dem Ins-Bett- oder In-die-Hose-Machen steckt bei Kindern häufig Stress. Diesen Zusammenhang konnten Kinderpsychologen schon vor Jahren belegen.

Wie Forscher aus den USA jetzt gezeigt haben, liegen bei Blasenproblemen im Schulalter aber oft auch psychische Störungen wie ADHS, Depression, Angst oder Verhaltensauffälligkeiten vor.

Dr. Janine L. Oliver und Kollegen von der Washington University School of Medicine in St. Louis haben sich die Daten von 358 Kindern im Alter zwischen sechs und 17 Jahren vorgenommen; Pädiater hatten diese zur Abklärung nicht neurogener Lower-Urinary-Tract-Symptome (LUTS) an die Uniklinik überwiesen.

Nach der Definition der Forscher gehörten dazu häufiges "Müssen" und Dranginkontinenz, Schmerzen im Unterbauch, Einnässen (sowohl tagsüber als auch nachts) sowie wiederkehrende Harnwegsinfektionen.

Fast ein Viertel der Kinder hatte nach Angaben der Eltern eine begleitende psychische Störung, am häufigsten ADHS (8,4 Prozent). Im Allgemeinen geht man bei psychischen Störungen im Kindesalter von einer Prävalenz von etwa zwölf Prozent aus, das heißt, bei den LUTS-Kindern hätte sich das Risiko nahezu verdoppelt.

LUTS als Alarmzeichen

Nahezu die Hälfte der Kinder mit Blasenentleerungsstörungen war zudem übergewichtig oder adipös. Die Crux daran ist, so die Autoren, dass therapeutische Maßnahmen gegen die LUTS bei Übergewicht relativ schlecht ansprechen (J Urology 2013; online 20. Februar).

Der in der Studie ermittelte LUTS-Score war aber nicht nur bei den adipösen (48 Punkte), sondern auch bei den untergewichtigen Kindern (57 Punkte) signifikant erhöht. Im Mittel wurden etwa 40 Punkte erreicht, sowohl von Jungen als auch von Mädchen.

Die Bandbreite reichte von null bis 222 Punkten (höhere Werte stehen für schwerere Symptome). In den Score flossen neben Blasen- auch Stuhlprobleme sowie häufiges Anfassen der Genitalien mit ein.

Die Forscher hatten außerdem gefragt, ob die Kinder aktuell durch stressreiche Ereignisse belastet waren: Trennung der Eltern oder Missbrauch, Ankunft eines neuen Geschwisterchens, Umzug oder aktuelle Schulprobleme.

Solche Probleme waren insgesamt bei etwa jedem dritten Patienten vorhanden, und sie wirkten sich auf die Fähigkeit der Kinder, "trocken" zu sein, aus. Im Vergleich zu Kindern ohne psychosoziale Belastungsfaktoren war der LUTS-Score signifikant erhöht (p = 0,049).

Der Zusammenhang wurde deutlicher, wenn gleichzeitig eine psychiatrische Störung angegeben wurde (p = 0,039). Für psychiatrische Störungen allein war die Assoziation mit Abstand am stärksten (p = 0,0026).

Die Blasenfunktionsstörung im Kindesalter sollte also durchaus als Alarmzeichen gewertet werden, das auf Stress oder unter Umständen auf eine noch nicht diagnostizierte psychische Störung hinweisen kann, folgern die Autoren. Hier sei ein multidisziplinärer Therapieansatz zu empfehlen. (EO)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Inhalatives Steroid bei Kindern – Keine falsche Zurückhaltung!

Die Angst vor Frakturen sollte bei asthmakranken Kindern kein Grund gegen die Kortisoninhalation sein. Zurückhaltung könnte sogar den gegenteiligen Effekt haben. mehr »

Ibuprofen plus Paracetamol so effektiv wie Opioide

Es müssen keine Opioide sein: OTC-Analgetika wirken bei Schmerzen in den Gliedmaßen ähnlich gut wie Opioide, so eine US-Studie. mehr »

Steigender Drogenkonsum bereitet Sorgen

Der Cannabiskonsum wird unter Jugendlichen langsam aber stetig populärer. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung fordert einen massiven Ausbau der Präventionsangebote. mehr »