Ärzte Zeitung online, 14.12.2017

US-Studie

Hustentest für die Stressinkontinenz-Diagnostik

Die Urodynamik definiert den Goldstandard der Inkontinenzdiagnostik. Eine Belastungs- oder Stressinkontinenz lässt sich aber auch gut mit einem Husten-Stresstest diagnostizieren. Auf die genauen Umstände kommt es dabei gar nicht so sehr an.

Von Robert Bublak

Hustentest für die Stressinkontinenz-Diagnostik

Belastungs- oder Dranginkontinenz – das gilt es vor der Therapie herauszufinden.

© Wigger / DAK

CLEVELAND. Die urodynamische Untersuchung wird für die Diagnose einer Stressinkontinenz dringend empfohlen, falls die betroffenen Patientinnen ihre Probleme mithilfe eines operativen Eingriffs beheben lassen wollen. Die Uroynamik ist allerdings in technischer, zeitlicher und finanzieller Hinsicht aufwendig. Es gibt aber auch kürzere Wege, den Verdacht auf eine Belastungsinkontinenz zu erhärten oder zu entkräften.

Zu diesen Wegen gehören die verschiedenen Methoden des Husten-Stresstests. Ein positives Resultat ist gegeben, wenn sich durch Husten ein sichtbarer Abgang von Urin provozieren lässt. Allerdings gibt es verschiedene Vorschriften dafür, mit welchem Volumen die Blase zu füllen ist und welche Position, sitzend oder stehend, die Patientin einnehmen soll.

Eine Arbeitsgruppe von Gynäkologen und Urologen um Joseph Henderson von der Universitätsklinik Cleveland hat die verschiedenen Formen des Husten-Stresstests mit Blick auf deren diagnostische Aussagekraft verglichen (J Urol 2017, online 23. November). Getestet wurden 34 Patientinnen mit voller, 35 mit leerer Blase, 37 mit 200 ml Kochsalzlösung in der Blase und 34 mit einem Füllungsvolumen entsprechend der halben funktionellen Blasenkapazität, jeweils im Stehen und Sitzen. Die Ergebnisse der Urodynamik dienten als Vergleich.

Insgesamt am besten schnitt der Hustentest mit halber funktioneller Blasenkapazität ab. Die Sensitivität für Stressinkontinenz betrug 67 Prozent im Sitzen und 79 Prozent im Stehen. Die Spezifität lag bei 90 Prozent im Stehen und 100 Prozent im Sitzen. Die Unterschiede zwischen den Werten in den verschiedenen Positionen waren nicht signifikant. Auch die Differenzen zu den Sensitivitäten und Spezifitäten, die mit anderen Blasenfüllungszuständen gemessen wurden, erwiesen sich in der Studie als statistisch unerheblich.

Für die Interpretation des Husten-Stresstests ist es wichtig, sich die getesteten Patientinnen genauer anzusehen. In einer Population mit hoher Ausgangswahrscheinlichkeit für eine Stressinkontinenz hat der Hustentest einen hohen positiven prädiktiven Wert; er erreicht mehr als 90 Prozent, wenn die Prävalenz der Belastungsinkontinenz bei 80 Prozent liegt. In der Allgemeinbevölkerung ist die Prävalenz mit 10–20 Prozent jedoch viel niedriger. Hier liegt die Stärke des Husten-Stresstests in der Ausschlussdiagnostik, der Vorhersagewert eines negativen Ergebnisses beträgt mehr als 95 Prozent.

Nebenbei unterzogen Henderson und Kollegen die Patientinnen auch noch einem Vorlagenwiegetest (Padtest); eine Gewichtszunahme von ≥ 8 Gramm über 24 Stunden galt als positives Resultat. Irgendein Nutzen dieser Methode für die Diagnose einer Belastungsinkontinenz war jedoch nicht erkennbar.

Die Stresstest-Studie in Kürze

» Am besten schnitt der Hustentest mit halber funktioneller Blasenkapazität ab.

» Die Sensitivität für Stressinkontinenz betrug 67 Prozent im Sitzen und 79 Prozent im Stehen. Die Spezifität lag bei 90 Prozent im Stehen und 100 Prozent im Sitzen.

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