Ärzte Zeitung, 09.04.2010

Dialyse-Patienten mit PAVK: Bypass oder Katheter?

Auch wenn es bisher wenig klinische Daten dazu gibt: Bypass-Chirurgie und endovaskuläre Interventionen sind bei Dialyse-Patienten mit PAVK offenbar ähnlich effektiv.

Von Philipp Grätzel von Grätz

BERLIN. Zur optimalen Therapiestrategie bei Dialyse-Patienten mit schwerer peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) gibt es kaum Daten, weil diese Patienten an Studien meist nicht teilnehmen dürfen. Erfahrungen aus Zentren belegen, dass sowohl Interventionen als auch Bypässe sinnvoll sein können.

"Seit der randomisiert-kontrollierten BASIL*-Studie würden wir die endovaskuläre Intervention bei PAVK-Patienten als Methode der ersten Wahl ansehen, weil sie weniger invasiv ist als der Bypass", sagte Privatdozent Nicolas Diehm vom Inselspital in Bern. Zur Erinnerung: In der BASIL-Studie wurden bei knapp 500 Patienten mit kritischer Extremitätenischämie die Effektivität und die Sicherheit von endovaskulären Interventionen und Bypässen verglichen. Es gab dabei keine großen Unterschiede.

Ob sich diese Daten auch auf Dialyse-Patienten übertragen lassen, sei allerdings unklar, so Diehm. Er berichtete bei einer von UCB unterstützten Veranstaltung von eigenen Erfahrungen mit 29 Dialysepatienten, die in Bern wegen einer schweren PAVK mit insgesamt 38 Läsionen endovaskulär behandelt worden waren. Die Ergebnisse seien für dieses Kollektiv gut gewesen, so Diehm. Die Ein-Jahres-Überlebensrate lag bei 81 Prozent, und die Rate des "amputationsfreien Überlebens" bei 73 Prozent.

Auch der Gefäßchirurg Professor Martin Storck vom Städtischen Klinikum Karlsruhe hat die Erfahrung gemacht, dass Bypass-Chirurgie und endovaskuläre Interventionen bei Dialyse-Patienten ähnlich effektiv sind. Er gab allerdings zu bedenken, dass die hohen Erfolgsraten für die Katheterverfahren gerade bei Patienten mit extrem problematischen Gefäßen wie Dialyse-Patienten nur mit wiederholten Interventionen erreicht würden. "Die Restenosen sind bei diesen Patienten ein Riesenproblem", so Storck.

Der Bypass könne hier Vorteile haben: "Ein guter Bypass hält auch bei Dialysepatienten mindestens zwei Jahre", so der Experte. Mit anderen Worten: Die Patienten, die ohnehin ständig in medizinischer Betreuung sind, haben nach einer Bypassoperation zumindest in Sachen PAVK erst einmal Ruhe.

*BASIL: Bypass versus angioplasty in severe ischemia of the leg

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Vom Chefarzt zum Hausarzt-Assistenten

Selten dürfte es sein, wenn nicht einmalig: Dr. Roger Kuhn hat seinen Chefarztposten im Krankenhaus aufgegeben, um in einer Hausarztpraxis zu arbeiten – als Assistent. mehr »

Wenn die Depressions-App zweimal klingelt

Smartphone-Apps könnten helfen, eine beginnende Depression oder ein hohes Suizidrisiko aufzuspüren. Lernfähige Algorithmen könnten ein verändertes Nutzerverhalten erkennen – und notfalls Alarm schlagen. mehr »

Psychotherapeuten versus Regierung

Die Psychotherapeuten laufen Sturm gegen das Terminservice- und Versorgungsgesetz. Sie fordern gleiche Rechte für ihre Patienten. mehr »