Ärzte Zeitung online, 16.12.2010
 

Telmisartan halbiert die Sterberate bei Dialyse-Patienten mit Herzinsuffizienz

NEAPEL (ob). Über äußerst erstaunliche Erfolge mit Telmisartan berichtet jetzt eine italienische Arbeitsgruppe: Bei Dialyse-Patienten mit Herzinsuffizienz konnte sie die Lebenserwartung mit diesem AT1-Rezeptorblocker additiv zum ACE-Hemmer dramatisch verbessern.

Gerade Nephrologen haben in die Kombination ACE-Hemmer plus AT1-Rezeptorblocker große Hoffnungen gesetzt. Schien die starke Hemmung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) durch Kombination beider RAAS-Blocker doch einen besonders effektiven Schutz vor progredienter Nierenschädigung zu versprechen.

Um so größer war die Enttäuschung, als die Ergebnisse der ONTARGET-Studie bekannt wurden. In dieser dreiarmigen Studie sind mehr als 25.000 kardiovaskuläre Risikopatienten mit Telmisartan oder Ramipril oder einer Kombination beider RAAS-Blocker behandelt worden.

Wer die Erwartungen nicht erfüllte, war die Kombination: Sie reduzierte das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse nicht stärker als die Monotherapien, war aber schlechter verträglich. Statt einer besseren Nephroprotektion war in dieser Gruppe eine Zunahme von renalen Komplikationen einschließlich akute Dialysen zu beobachten.

Die Attraktivität dieser Kombination war dahin. Einige Fachgesellschaften warnten mit Hinweis auf das erhöhte renale Risiko sogar explizit vor der gleichzeitigen Einnahme von ACE-Hemmer und AT1-Rezeptorblocker.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet eine Studie bei Hämodialyse-Patienten gerade diese Kombination jetzt in einem äußerst günstigen Licht erscheinen lässt. Dabei versteht sich von selbst, dass es bei diesen Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz nicht mehr um Nephroprotektion als Ziel ging. Im Fokus stand vielmehr die Prävention einer weiteren Herzschädigung.

Eine Forschergruppe um Dr. Gennaro Cice aus Neapel hat für diese Doppelblindstudie an 30 Kliniken in Italien 332 Dialyse-Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (NYHA II/III, Auswurffraktion unter 40 Prozent) rekrutiert und randomisiert zwei Gruppen zugeteilt (JACC 2010; 56: 1701). Eine Gruppe erhielt den AT1-Rezeptorblocker Telmisartan (Zieldosis: 80 mg/Tag), die andere Placebo, jeweils additiv zum ACE-Hemmer als Basistherapie. Rund 60 Prozent bekamen zusätzlich einen Betablocker. Patienten mit ICD- oder CRT-Therapie nahmen nicht an der Studie teil.

Im Zeitraum von drei Jahren wurde die Gesamtsterberate durch Telmisartan signifikant um 49 Prozent im Vergleich zu Placebo reduziert (von 54 auf 35 Prozent). Entscheidend dafür war die Verhinderung von kardiovaskulären Todesfällen, deren Rate signifikant um 58 Prozent gesenkt wurde (von 44 auf 30 Prozent). Reduziert wurden dabei vor allem Todesfälle infolge Pumpversagen und plötzliche Herztode.

Die Rate der Klinikeinweisungen wegen Herzinsuffizienz ging von 55 Prozent auf 34 Prozent zurück, was einer relativen Reduktion um 62 Prozent durch Telmisartan entspricht.

Die Rate der durch unerwünschte Effekte wie Hypotonie bedingten Therapieabbrüche war mit 16 Prozent versus 11 Prozent in der Telmisartan-Gruppe höher als in der Placebo-Gruppe.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vom Sinn und Unsinn medikamentöser Arthrose-Therapien

Arthrosebeschwerden sind weit verbreitet und nur begrenzt medikamentös behandelbar. Ein Update zur Evidenzlage medikamentöser Therapien wurde nun präsentiert. mehr »

"Gelegenheits-Chirurgie ist nicht akzeptabel"

Die Risiken, direkt im Zusammenhang mit einer Op im Krankenhaus zu sterben, sind in Häusern mit geringen Fallzahlen höher als in spezialisierten Kliniken. mehr »

Diesen Effekt haben Walnüsse auf Lipide

Die Lipidsenkung durch den täglichen Verzehr von Walnüssen stellt sich offenbar unabhängig davon ein, ob man dabei auf Kohlenhydrate oder Fette oder auf beides verzichtet. mehr »