Ärzte Zeitung, 13.10.2004

Inkontinenz nach Prostata-Op verschwindet meist

Harninkontinenz besteht im Schnitt nur für drei Monate nach der Op / Einlagen und Physiotherapie genügen oft

WIESBADEN (hsr). Bei Männern mit Harninkontinenz als Folge eines chirurgischen Eingriffs an der Prostata sollte abgewartet werden, ob sich die Beschwerden nicht spontan bessern. Zusätzlich zur Hilfsmittel-Versorgung, etwa mit neuen, speziell auf die Anatomie von Männern zugeschnittenen absorbierenden Einlagen, reichen Physiotherapie-Verfahren häufig zunächst aus.

Von einer invasiven Behandlung, zum Beispiel Schließmuskelunterfütterung durch Kollagen oder Ballons oder artifiziellem Sphinkter sei im ersten Jahr nach radikaler Prostatektomie oder transurethraler Resektion der Vorsteherdrüse abzuraten, so Professor Daniela Schultz-Lampel vom Kontinenzzentrum am Klinikum Villingen-Schwenningen.

Denn abhängig von Alter und Komorbidität dauere es im Durchschnitt nur drei Monate, bis die meisten dieser Patienten wieder kontinent seien, sagte Schultz-Lampel beim Urologie-Kongreß in Wiesbaden.

Im ersten Jahr nach der Operation sollten die Männer deshalb mit Hilfsmitteln wie Einlagen, Slips oder Urinalen versorgt werden, sagte Schultz-Lampel auf einer Veranstaltung des Unternehmens Hartmann. Das Unternehmen bietet dazu speziell für Männer die neuen Einlagen MoliMed® bei leichter und MoliForm® bei schwerer Inkontinenz an.

Außerdem seien physiotherapeutische Methoden wie Beckenbodentraining, Biofeedback oder Elektrostimulation mit Rektalsonde, allein oder kombiniert, direkt nach Entfernung des Katheters oft ebenso erfolgreich wie eine Anticholinergika-Therapie in den ersten vier Wochen.

Erst wenn die Harninkontinenz länger als ein Jahr andauere, etwa bei jedem zehnten dieser Patienten, hält Schultz-Lampel zusätzlich zur konservativen medikamentösen und Langzeit-Physiotherapie auch invasive Behandlungsmethoden für erwägenswert.

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