Ärzte Zeitung online, 18.11.2013

Benigne Prostatahyperplasie

Auch Cholesterin könnte eine Rolle spielen

In den letzten sechs Jahrzehnten wurden pathogenetische Zusammenhänge identifiziert, die möglicherweise bei der Entstehung einer BPH involviert sind.

Steroidhormone und Hormonrezeptoren: Androgene spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung der BPH.

Zum einen sei bekannt, dass Kastraten keine BPH entwickeln. Zum anderen bewirke die bei Patienten operativ oder chemisch induzierte Kastration eine Volumenreduktion hyperplastischer Prostatae, berichtet das Team um Dr. Philipp Weinhold aus München (MMW - Fortschritte der Medizin 2013; 155 (14): 35-38).

Andererseits habe kein Zusammenhang zwischen dem im Alter abnehmenden Serumtestosteronspiegel und dem Prostatavolumen hergestellt werden können.

Das für die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) verantwortliche Enzym ist die 5-alpha-Reduktase Typ 2. Der Androgenrezeptor und die 5-alpha-Reduktase werden überwiegend von luminalen Epithelzellen und Stromazellen der Prostata exprimiert.

5-alpha-Reduktasehemmer häufig verwendet

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DHT habe eine höhere Affinität zum Androgenrezeptor als Testosteron und induziere u. a. - verursacht durch verschiedene Wachstumsfaktoren - eine Proteinsynthese, erläutern die Autoren um Weinhold.

Daher werde für die BPH-Therapie häufig ein 5-alpha-Reduktasehemmer verwendet, um nicht nur eine Größenzunahme zu verhindern, sondern vielmehr auch eine Größenreduktion zu erreichen.

Im Alter bleiben die intraprostatischen DHT-Level sowie die Androgenrezeptordichte generell unverändert. Auch bei per transurethraler Resektion der Prostata nachgewiesener BPH konnte keine intraprostatische Erhöhung der DHT-Konzentration und des Androgenrezeptors nachgewiesen werden, sodass die genaue Wirkweise der Androgene in der Pathogenese der BPH unklar bleibt.

Genetische Faktoren: Mittlerweile sei eine genetische Disposition bei der Entstehung der BPH unbestritten, so Weinhold und seine Kollegen. In Regressionsanalysen habe ein autosomal dominanter Erbgang festgestellt werden können.

Bei Patienten , 60 Jahren scheint in über 50 Prozent der Fälle eine genetische Disposition vorhanden zu sein, bei Patienten über 60 Jahren hingegen nur bei 9 Prozent. Die familiäre Form scheint eher durch hohe Prostatavolumina und niedriges Alter bei Symptombeginn gekennzeichnet zu sein.

Chronische Entzündung der Prostata: Vom hyperplastischen Umbau, der zur BPH führt, ist exklusiv die Transitionalzone der Prostata betroffen. Diese umfasst den kranialen Anteil der prostatischen Harnröhre.

Es kommt zu einem erneuten Aussprossen von bereits vorhandenen Drüsengängen in das umgebende hyperplastische Stroma, und sog. BPH-Knoten bilden sich aus.

In einer klinischen Studie wurde bei histologisch nachgewiesener BPH in 75 Prozent der Fälle eine begleitende chronische Entzündung, v. a. in der Transitionalzone, bestätigt, wie das Team um Weinhold berichtet.

Bei nicht vorbestehender BPH traf das in bis zu 55 Prozent der Fälle zu. Außerdem ergab sich eine positive Korrelation zwischen klinisch relevanter BPH und chronischer Prostatitis.

Metabolisches Syndrom: Diabetes, Adipositas und Hypercholesterinämie zeigen einen in Studien nachgewiesenen Zusammenhang mit der BPH. Die beim Diabetes auftretende Hyperinsulinämie hat eine direkte und indirekte proliferative Wirkung auf das Prostataparenchym.

In der Prostata werden Insulinrezeptoren exprimiert, die eine mitogene und antiapoptotische Wirkung entfalten.

Die Prostata ist ein aktiver Cholesterinspeicher. Tierstudien hätten ergeben, so Weinhold und Kollegen, dass nach medikamentöser Blockade der intestinalen Cholesterinaufnahme eine signifikante Reduktion des Prostatavolumens erreicht wird. (eb)

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