Ärzte Zeitung, 13.04.2017
 

Urologie

5-Alpha-Reduktasehemmer vor TURP senkt das Blutungsrisiko

Das Blutungsrisiko während und nach TURP lässt sich bei BPH-Patienten offenbar deutlich senken, wenn diese im Vorfeld vier Wochen lang mit einem 5-Alpha-Reduktasehemmer behandelt werden. Das hat jetzt eine randomisierte kontrollierte Studie ergeben.

Von Elke Oberhofer

LUCKNOW. Blutungen gehören zu den wichtigsten Komplikationen der TURP (transurethrale Prostataresektion). Um dieses Risiko zu minimieren, wurden bereits in mehreren Studien 5-Alpha-Reduktasehemmer (5-ARH) eingesetzt, allerdings mit wechselndem Erfolg.

Die erste große, randomisierte Studie, die die beiden 5-ARH Finasterid und Dutasterid untereinander sowie mit einer Kontrollgruppe vergleicht, kommt nun aus Indien. Sie scheint zu bestätigen, was man bislang vermutet hat, dass nämlich das erhöhte Blutungsrisiko möglicherweise vor allem durch eine verstärkte Angiogenese im hyperplastischen Prostatagewebe verursacht ist und dass man dem mit entsprechenden Medikamenten gegensteuern kann (Urology 2016, online 15. November).

Studie mit 450 Männern

An der Studie teilgenommen haben 450 Männer, die man vor einer geplanten TURP jeweils einer von drei Gruppen zugelost hatte: 150 Patienten erhielten ab vier Wochen vor dem Eingriff täglich 5 mg Finasterid, weitere 150 bekamen im selben Zeitraum jeweils 0,5 mg Dutasterid. Eine dritte Gruppe erhielt keinen 5-ARH und diente als Kontrollgruppe.

Die TURP erfolgte nach abgeschlossener Vorbehandlung unter Lokalanästhesie und mit 1,5-prozentiger Glyzinlösung als Spüllösung. Zur Abschätzung des intraoperativen Blutverlusts wurde die HaemoCue-Methode eingesetzt. Dabei wird der Hämoglobingehalt der Spüllösung mit deren Gesamtvolumen multipliziert und das Ergebnis durch den präoperativen Wert des Serum-Hämoglobins geteilt.

In folgenden postoperativ gemessenen Parametern kam es zu signifikanten Unterschieden: Der Blutverlust insgesamt betrug unter Finasterid 168,7 ml, unter Dutasterid 162,4 ml; in der Kontrollgruppe dagegen 265,3 ml. Der auf das resezierte Prostatagewebe bezogene Blutverlust lag bei 7,3 ml/g, 7,4 ml/g bzw. 10,74 ml/g. Pro Operationsminute wurden 4,23 ml, 4,30 ml bzw. 6,59 ml Blut verloren.

Weniger Transfusionen unter 5-ARH

Dass die beiden mit 5-ARH behandelten Gruppen signifikant weniger Blut verloren hatten als die Kontrollgruppe, zeigte sich auch in den deutlich geringeren Anteilen derjenigen Patienten, die eine Bluttransfusion benötigten: Unter Finasterid waren dies 2,7 und unter Dutasterid 2,0 Prozent; in der Kontrollgruppe 9,3 Prozent.

Die Resultate in den sekundären Endpunkten scheinen die Theorie zu bestätigen, dass der Blutverlust bei TURP-Patienten vor allem eine Sache der Mikrovaskularisierung ist: Sowohl beim Hämoglobinabfall (0,8 g, 0,7 g bzw. 1,6 g) als auch bei der mittleren Mikrogefäßdichte (microvessel density, MVD: 14,2, 13,3 bzw. 21,3) waren die Werte bei den vorab medikamentös behandelten Patienten signifikant besser. MVD ist dem Team um Aditi Arora aus Uttar Pradesh (Indien) zufolge "der histologische Marker für Angiogenese". ARH hemmen sowohl Angiogenese als auch Mikrovaskularisierung, indem sie die Dihydrotestosteronkonzentration senken und den androgen-gesteuerten Wachstumsfaktor blockieren.

In der Studie war die MVD sowohl im prostatischen als auch im suburethralen Gewebe in der Kontrollgruppe wesentlich höher als in den beiden Interventionsgruppen. Kaum Unterschiede zeigten sich dagegen zwischen den beiden medikamentös behandelten Gruppen. "Beide Substanzen sind gleich wirksam und senken das Blutungsrisiko jede für sich genommen besser als Placebo", so das Fazit des Teams aus dem Dr. Ram Manohar Lohia Institute of Medical Sciences im indischen Lucknow.

Über die relativ kurze Zeitspanne von vier Wochen wurden beide Medikamente offenbar gut vertragen: So litten nur wenige Patienten unter einer beeinträchtigten Libido (Finasterid: 2,7 Prozent, Dutasterid: 2,0 Prozent) und erektiler Dysfunktion (2,0 bzw. 1,3 Prozent). Bei den Betroffenen hatten sich beide Symptome zudem innerhalb von drei Monaten nach Op wieder deutlich gebessert.

Studienergebnisse

Der Blutverlust bei Patienten, die eine TURP erhalten hatten, betrug unter Finasterid 169 ml, unter Dutasterid 162 ml und in der Kontrollgruppe 265 ml.

Der auf das resezierte Prostatagewebe bezogene Blutverlust lag bei 7,3 ml/g, 7,4 ml/g und 10,74 ml/g.

Pro Operationsminute wurden 4,2 ml, 4,3 ml und 6,6 ml Blut verloren.

Eine Bluttransfusion benötigten 2,7 Prozent der Patienten unter Finasterid, 2 Prozent der unter Dutasterid und 9,3 Prozent in der Kontrollgruppe.

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