Ärzte Zeitung online, 30.11.2011

Das große Ringen um die Betriebsprüfung

HANNOVER (cw). Sinneswandel bei der Treuhand Hannover: Jetzt bietet auch der bundesweit größte Steuerberater für Apotheken eine Simulation der digitalen Betriebsprüfung an.

Vor einigen Monaten lehnte Treuhand-Chef Dr. Klaus-Martin Prang das noch kategorisch als "Panikmache" und "Geschäft mit der Angst" ab.

Zu Jahresbeginn hatte der Rechtsanwalt und Steuerberater Dr. Bernhard Bellinger vor einer Welle digitaler Betriebsprüfungen bei Apotheken gewarnt.

Anders als in der Vergangenheit, so Bellinger damals, seien die Steuerprüfer inzwischen in der Lage, die Warenwirtschaftssysteme der Apotheken auszulesen, Schwachstellen aber auch Manipulationen besser zu erkennen.

Nur Wenige sind darauf vorbereitet

Erschwerend komme hinzu, dass die wenigsten Apotheken und ihre Berater darauf vorbereitet sind. Bellingers Plädoyer für eine Simulation der digitalen Betriebsprüfung, um Anwendungsfehler zu vermeiden und künftig fiskusfeste Datensätze zu produzieren, sorgte in der Branche für Unruhe.

Allen voran etwa schoss die Treuhand Hannover gegen den Düsseldorfer Steuerfachmann. "Geschäft mit der Angst" und "Panikmache" warf Treuhand-Chef Dr. Klaus-Martin Prang Bellinger vor.

Der konterte mit "Realitätsblindheit". Doch inzwischen ist die Treuhand umgeschwenkt. So warb Prang jetzt gegenüber dem Magazin "Apotheke und Marketing" ausdrücklich für das hauseigene Planspiel: "Wer wissen will, was möglicherweise seitens des Prüfers aufgegriffen werden könnte, dem können wir helfen".

Man habe "vorrangig für Mandanten eine entsprechende Dienstleistung im Angebot". Prang weiter: "Wir versuchen, die uns zur Verfügung gestellten Daten der Warenwirtschaft auf Schlüssigkeit zu prüfen. Einfallstore für weitere Prüfungshandlungen sollen erkannt werden und der Mandant hat die Chance, mögliche Angriffspunkte zukünftig zu vermeiden".

Software sollte ausgebaut werden

Unumwunden gibt Prang inzwischen zu, dass Handlungsbedarf besteht. Die Anbieter von Warenwirtschaftsprogrammen sollten "qualitativ verbesserte Software anbieten, die alle Aktivitäten vollständig dokumentiert, eine jederzeitige Nachvollziehbarkeit durch Sachkundige ermöglicht und vor allen Dingen keinerlei Verfälschungen zulässt".

Derzeit entspreche die Software "durchweg nicht den GoBS-Standards (Grundsätzen ordnungsgemäßer DV-gestützter Buchführungssysteme).

Unterdessen kann Bellingers Beraternetzwerk APO-Audit bundesweiten Zulauf von Steuerberatern verzeichnen, die sich auf Apotheken spezialisiert haben.

Rund 700 Apotheken und elf sie vertretende Kanzleien haben sich in dem Verbund bisher zusammengeschlossen. Damit ist die APO-Audit hinter der Treuhand das zweitgrößte Netzwerk dieser Art.

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