Ärzte Zeitung, 24.03.2009

Darmkrebszentren - Betreuung aus einer Hand

In Deutschland werden immer mehr Darmkrebszentren zertifiziert - zum Vorteil der Patienten. Ihnen werden etablierte, aber auch neue Therapien geboten.

Von Monika Vogt

In Frankfurt am Main wurde kürzlich das erste Darmkrebszentrum an einer Universitätsklinik in Hessen zertifiziert. Die Patienten haben an solchen Zentren den Vorteil, unter einem Dach, nach festen Qualitätsstandards und von den frühen bis zu den fortgeschrittenen Tumorstadien betreut zu werden. Außer etablierten Therapien bekommen sie auch die Teilnahme an klinischen Studien mit neuen Konzepten angeboten.

Alle Kriterien für die Zertifizierung zu erfüllen sei nicht einfach, so Professor Stefan Zeuzem, der Leiter des Frankfurter Darmkrebszentrums, zur "Ärzte Zeitung". Es habe fast ein Jahr intensiver Arbeit bedurft und das, obwohl sich das Klinikum schon lange als Anlaufstelle für Patienten mit Darmkrebs verstehe: "Durch die Zertifizierung wird man auf Schwachstellen aufmerksam, die sonst unbemerkt geblieben wären."

Die Uniklinik in Frankfurt am Main. Hier wurde kürzlich das erste universitäre Darmkrebszentrum in Hessen zertifiziert.

Foto: Universitätsklinikum Frankfurt am Main

Für eine möglichst optimale und reibungslose Versorgung der Patienten arbeiten Spezialisten unterschiedlicher medizinischer und pflegerischer Fachrichtungen eng zusammen. Das funktioniere "nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Alltag", berichtete Professor Jörg Trojan, der Koordinator des Zentrums. So besprechen Gastroenterologen, Chirurgen, Strahlentherapeuten, Radiologen und Onkologen mehrmals wöchentlich gemeinsam die Befunde von Patienten mit gastrointestinalen Tumoren, um zu klären, welche Therapie für den einzelnen die beste ist. Um die Vernetzung weiter zu fördern, wurde eine gemeinsame Ambulanz für gastrointestinale Onkologie gegründet. Zudem kooperiert das Zentrum mit niedergelassenen Fachärzten in Frankfurt am Main, Offenbach, Hanau, Groß-Gerau und Aschaffenburg.

Die Deutsche Krebsgesellschaft will erreichen, dass sich immer mehr onkologische Zentren und Organkrebszentren auf einen Qualitätsstandard verpflichten. Mittlerweile gibt es schon Zentren zu Brust-, Prostata- oder Hautkrebs. Zuvor müssen sie spezifische Anforderungen erfüllen. Die Zertifizierung nehmen Experten verschiedener Disziplinen vor, die von der Deutschen Krebsgesellschaft ernannt werden.

Die Zentren können ihre Qualifikation auch durch OnkoZert prüfen lassen, ein unabhängiges Institut, das im Auftrag der Krebsgesellschaft arbeitet. Für eine Zertifizierung als Darmkrebszentrum sind nach Angaben Trojans außer der Infrastruktur vor allem Mindestfallzahlen erforderlich. Damit werde die Qualität von Koloskopie, Polypektomie, Operation und Chemotherapie sichergestellt.

www.onkozert.de,

www.krebsgesellschaft.de.

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