Ärzte Zeitung, 13.02.2012
 

Keine Insulintherapie - nützt da BZ-Selbstmessung?

AMSTERDAM (BS). Ob ein Typ-2 Diabetiker ohne Insulintherapie von der Blutzucker-Selbstmessung profitiert, ist eine Frage des Zeitpunkts: Bei neu diagnostizierten Diabetikern tragen die Kontrollmessungen zu einer verbesserten HbA1c-Einstellung bei. Bei Patienten, die schon länger als ein Jahr erkrankt sind, ist die blutzuckersenkende Wirkung schwächer und nur von kurzer Dauer, wie ein Cochrane-Review ergeben hat (Cochrane Library 2012, online 18. Januar).

Für die Analyse wurden alle randomisierten kontrollierten Studien berücksichtigt, in denen die Auswirkung der BZ-Selbstmessung auf das HbA1c im Vergleich zu einer Standardversorgung (ohne Selbstmessung) untersucht wurden. Dabei handelt es sich um zwölf Studien mit 3259 Typ-2-Diabetikern ohne Insulintherapie.

In fünf der Studien war die glykämische Kontrolle signifikant besser, wenn die Patienten den Blutzucker auch selbst überprüften.

Der Effekt war abhängig von der Dauer des Diabetes und der Dauer der BZ-Selbstmessungen: Wenn die Patienten schon länger als ein Jahr erkrankt waren, lag das HbA1c mit Selbstkontrolle in den ersten sechs Monaten um 0,3 Prozentpunkte niedriger als ohne Selbstkontrolle.

Nach zwölf Monaten ging dieser Unterschied jedoch verloren. Waren die Patienten gleich nach ihrer Diabetesdiagnose mit BZ-Teststreifen ausgestattet worden, hatten sie nach zwölf Monaten um 0,5 Prozentpunkte niedrigere HbA1c-Werte als Patienten ohne Messungen.

Kein Einfluss auf Lebensqualität

Keinen Einfluss hatte die BZ-Selbstmessung auf das allgemeine Wohlbefinden oder die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Patienten mit BZ-Selbstmessung meldeten jedoch mehr Hypoglykämien als andere Patienten. Das entspricht den Erwartungen, weil asymptomatische Unterzuckerungen durch häufigere Kontrollen eben auch häufiger entdeckt werden.

Die Metaanalyse deutet also auf einen Nutzen der BZ-Selbstmessung bei Typ-2-Diabetikern ohne Insulintherapie hin. In Deutschland werden Blutzucker-Teststreifen für diese Patientengruppe seit Oktober 2011 nur noch in Ausnahmen (zum Beispiel bei akuten Erkrankungen oder erhöhten Raten an Hypo- oder Hyperglykämien) von der GKV erstattet.

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