Ärzte Zeitung online, 14.06.2011

EHEC: Experten sehen Scheitelpunkt erreicht

Noch immer werden viele Menschen mit EHEC und HUS stationär behandelt, doch die Zahl der neuen Fälle sinkt täglich. Experten sehen den Scheitelpunkt der Krise erreicht.

EHEC: Experten sehen Scheitelpunkt erreicht

EHEC-Analyse: Die Zahl der Neuerkrankungen sinkt.

© dpa

BERLIN/KOPENHAGEN (nös). Die EHEC-Welle scheint ihren Zenit erreicht zu haben. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin werden seit Tagen immer weniger Neuerkrankungen gezählt. Offiziell erfasst sind in Deutschland 2453 Fälle von Infektionen mit enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC).

Hinzu kommen 782 Erkrankungen mit dem hämolytisch-urämischen Syndrom, kurz HUS. Beide Fallkategorien werden getrennt erfasst. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr infizierten sich in Deutschland gerade einmal rund 800 Menschen, 65 erkrankten an einem HUS.

Erster Todesfall bei einem Kleinkind

Am Montag wurde zum ersten Mal bei der jetzigen Erkrankungswelle ein Todesfall bei einem Kind gemeldet. Zuvor waren vor allem ältere Frauen gestorben. Der zweijährige Junge war nach Medienberichten an den Folgen einer Anurie und Hämolyse in Celle gestorben. Er litt an einem HUS infolge einer EHEC-Infektion.

In den europäischen Nachbarstaaten sind die Erkrankungszahlen in den vergangenen Tagen nicht weiter angestiegen. Nach Angaben des European Center for Disease Control and Prevention in Stockholm sind dort 61 Menschen mit EHEC infiziert, 36 haben ein HUS entwickelt, in Schweden gab es einen Todesfall. Die meisten der Erkrankten sollen zuvor in Deutschland gewesen sein.

Entspannung im Norden

Erste Krankenhäuser aus den am stärksten betroffenen Regionen in Norddeutschland bestätigen derweil den Trend, dass die Infektionswelle abebbt.

So sind etwa die Kliniken in Elmshorn, Pinneberg und Wedel wieder zum Normalbetrieb zurückgekehrt. Allerdings werden dort noch immer Patienten behandelt. Auch neue Erkrankungen seien bislang nicht auszuschließen, hieß es.

Am Montag hatten sich die Hinweise auf Sprossen als mögliche Übertrager weiter verdichtet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnte schließlich sogar vor dem Verzehr selbst gezüchteter Sprossen.

War bereits das Saatgut belastet?

Denn eine Kontamination bereits im Saatgut könne bislang nicht ausgeschlossen werden, so das BfR. In Niedersachsen war ein Fall aufgetreten, bei dem selbstgezogene Keimlinge die Infektionsursache sein könnte, hieß es in einer Mitteilung des BfR.

Die Behörden konnten zudem einige Sprossenarten als Hauptverdächtige eingrenzen. Bei fünf erkrankten Mitarbeiterinnen des Gärtnerhofs Bienenbüttel, der als Ausgangspunkt der kontaminierten Sprossen verdächtigt wird, waren laut einer Befragung vor allem Brokkoli-, Knoblauch- und Bockshornkleesprossen beliebt.

EHEC-Funde auf Salat in Bayern stehen nach jüngsten Berichten offenbar nicht im Zusammenhang mit der jetzigen Erkrankungswelle. Am Montag hatte das Landesgesundheitsamt in Erlangen den Keim auf Lollo-Rosso-Salat in Fürth gefunden.

[15.06.2011, 12:53:07]
Dr. Horst Grünwoldt 
EHEC- "Welle"
Wie erklären die RKI- Infektiologen und Epidemiologen den "wellenförmigen" Verlauf von EHEC- Infektionen und HUS- Erkrankungen? Dabei handelt es sich doch nicht um zyklische Infektions-Krankheiten und auch nicht um den "Zenit" einer Tsunami- Riesenwelle!

Wodurch "ebben" dann plötzlich die "Seuchenfälle" ab? Etwa durch den ermüdenden, -aber erfolgreichen-, "Seuchenkampf", obwohl die "aktiv"-sprudelnde Infektions-"Quelle" noch gar nicht gefunden wurde?

Oder ist der freigesetzte "Killer"- und "Monster"-Keim wegen seiner "Aggressivität und Bösartigkeit" bloß vorübergehend erschöpft und kann jederzeit eine neue "Erkrankungs-Welle" nach Feststellung der "Epidemie" (gr. drohende Gefahr über dem Volk) wieder auslösen?

Kann das "Sprossen"-Saatgut überhaupt mit menschlichen oder tierischen Fäkalien gedüngt worden sein und können die Sprossen-Keimlinge die Fäkalbakterien über ihr selektives Wurzelwerk tatsächlich inkorporieren?

Verstehen die RKI- Statistiker unter festgestellten EHEC- (u.a.) Infektionen lediglich den zufälligen Erreger-Nachweis in Stuhlproben - ohne daß es zu klinischen Krankheits-Symptomen oder zu einem "EHEC-Ausbruch" gekommen ist?

Wird unter EHEC-"Ausbruch" schon der alleinige Erregernachweis verstanden, oder erst das apparente Krankheitsbild von "HUS"?

Die oben aufgezeigten feinen Unterschiede dürften nicht nur für die wirklichkeitsnahe Statistik, sondern auch für die reale Eindämmung der permanenten "Seuchengefahr", nicht zu vernachlässigen sein!

Dr. med.vet. Horst Grünwoldt aus Rostock

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