Ärzte Zeitung online, 08.07.2011

Arzneien wegen EHEC zurückgerufen

Die EHEC-Keime kamen offenbar über Sprossensamen aus Ägypten - darin sind sich die Experten weitgehend sicher. Die Samen werden zurückgerufen, ein Importstopp wurde verhängt. Nun müssen in Deutschland auch Arzneimittel vom Markt, die aus den Samen bestehen.

Arzneien wegen EHEC zurückgerufen

Bockshornkleesamen - auch Bestandteil in manchen Arzneimitteln.

© dpa

BONN/BRÜSSEL (nös). Nach dem europaweiten Importstopp für Sprossensamen aus Ägypten werden in Deutschland nun auch Arzneimittel zurückgerufen, die Bockshornkleesamen enthalten. Dazu hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) jetzt die zuständigen Landesbehörden aufgefordert.

Betroffen sind Arzneimittel, die Bockshornkleesamen enthalten, die zwischen 2009 und 2011 aus Ägypten importiert worden sind. Ende 2009 soll eine erste Charge importiert worden sein, die europäische Experten als Auslöser für die EHEC-Epidemie ausgemacht haben.

24 Präparate aufgelistet

Der Stellenwert Arzneien aus Bockshornkleesamen ist allerdings unklar. Die Lauertaxe listet 24 Präparate auf. Als zerkleinerte Samen werden sie unter anderem gegen Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Auch zur topischen Anwendung werden sie eingesetzt, etwa bei Entzündungen.

Die wenigen homöopathischen Arzneien, die Bockshornklee enthalten, sind von dem Rückruf allerdings nicht betroffen. Da sie Alkohol enthalten, seien sie kaum von Verunreinigungen mit Escherichia coli betroffen, sagte ein Sprecher des BfArM der "Ärzte Zeitung".

"Betroffen sind die Standardarzneien nach dem Arzneibuch, also Teedrogen und zerstoßene Samen." Der Apothekenlieferant für Heilkräuter Caelo ist nach eigenen Angaben allerdings nicht von dem Rückruf betroffen. "Unsere Bockshornkleesamen kommen aus Indien und sind mikrobiologisch untersucht", hieß es auf Anfrage.

"Mit hoher Wahrscheinlichkeit" aus Ägypten

Offenbar ging der Rückruf des BfArM auf eigene Initiative zurück. Die EU-Kommission hatte am Dienstag zunächst den Rückruf der betroffenen Samenchargen aus Ägypten und einen kompletten Importstopp für Samen aus dem Land verhängt.

Zuvor hatte die europäische Lebensmittelbehörde EFSA parallel mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Quelle für die EHEC-Erkrankungen auf importierte Bockshornkleesamen aus Ägypten "mit hoher Wahrscheinlichkeit" zurückführen können.

In ihrem Beschluss vom Mittwoch ging die EU-Kommission allerdings nur auf die Samen ein. Produkte, die die Samen oder Sprossen beinhalten, wurden explizit nicht benannt.

Beim BfArM zeigt man sich entsprechend verwundert. "Für den Verbraucher ist nicht nachvollziehbar, wenn er in der Apotheke weniger geschützt wird als im Supermarkt", hieß es.

Lesen Sie alle Berichte und Hintergründe in unserem Special zur EHEC-Welle.

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