Ärzte Zeitung, 17.07.2011
 

BMG plädiert für schnellere Meldeverfahren bei Epidemien

Das Bundesgesundheitsministerium will das Meldeverfahren bei Epidemien ankurbeln. Die Pläne bleiben jedoch weit hinter den Forderungen von Experten zurück.

BMG plädiert für schnellere Meldeverfahren bei Epidemien

EHEC-Test bei Lebensmittelproben: Zukünftig sollen Behörden schneller informiert werden, wenn Lebensmittel Ursache einer Infektion sind.

© dpa

BERLIN (sun/af). Die schwarz-gelbe Koalition will das Meldeverfahren im Falle einer Epidemie beschleunigen.

Die angestrebte Konkretisierung im Infektionsschutzgesetz bleibt jedoch weit hinter den Erwartungen der Experten zurück.

"Unverzüglich" die zuständige Lebensmittelüberwachungsbehörde informieren

In einem Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) dazu heißt es lediglich, dass das Gesundheitsamt "unverzüglich" die zuständige Lebensmittelüberwachungsbehörde zu informieren habe.

Dies soll künftig dann erfolgen, wenn ein Lebensmittel Ursache einer übertragbaren Krankheit ist.

Gemeldet werden müssen Angaben zur Anzahl der Kranken, Krankheits- und Ansteckungsverdächtigen. Darüber hinaus sollen die Ämter auch über Ort und Zeitraum des Verkaufs der verdächtigen Lebensmittel informieren.

EHEC-Epidemie zeigt langsames Meldesystem auf

Grund für die erneute Änderung des gerade von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Infektionsschutzgesetzes ist die EHEC-Epidemie. Die hatte zu Debatten über ein veraltetes und zu langsames Meldesystem in Deutschland geführt.

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte daraufhin im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" betont, er sehe "insbesondere bei den Meldeverfahren" noch Nachholbedarf. "Ich will nicht akzeptieren, dass einige Meldungen erst Tage später beim Robert Koch-Institut eingingen", so Bahr.

Vorstoß geht nicht weit genug, kritisieren Experten

Einigen Experten geht der aktuelle Vorstoß aus dem BMG allerdings nicht weit genug, denn damit ist auch künftig die elektronische Übermittlung der Daten für die Institutionen nicht verpflichtend.

Der Verband der Universitätskliniken hatte erst kürzlich Bund und Länder aufgefordert, den Kommunikationswirrwarr auf den Epidemie-Meldewegen zu beseitigen. Dieser werde in den Ländern durch fehlende Interpretationskompetenz noch verschärft.

"Nur das Robert-Koch Institut hat das gesamte epidemiologische und infektiologische Know-how zur Risikoabschätzung sowie eine Taskforce", sagte der Präsident des Medizinischen Fakultätentages Professor Dieter Bitter-Suermann.

Minister Bahr allerdings hat sich bereits gegen eine zentrale Lösung ausgesprochen. Das könne nicht die Lösung sein.

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