Logo Galenus-2017
Ärzte Zeitung online, 20.10.2017

Grundlagenforschung Krebs

Forschung zu IMiDs erhält Galenus-Preis

Das Team um Professor Florian Bassermann aus München erhält für Arbeiten im Bereich der Onkologie den Galenus-von-Pegamon-Forschungspreis.

Die Krebs-Forschungsarbeiten an der TU München im Video

"Die Forscher um Professor Florian Bassermann von der TU München haben herausgefunden, auf welche Weise eine der wirksamsten Krebsarzneien seine Wirkung entfaltet", lobte Jury-Vizepräsidentin Professor Marion Kiechle bei der Verleihung des Galenus-Preis in der Kategorie Grundlagenforschung. Die Beschreibung des molekularen Mechanismus, der für die Antitumorwirkung immunmodulierender Substanzen (IMiDs) verantwortlich ist, kann den Weg zu neuen Krebstherapien ebnen.

Zu den IMiDs gehören Thalidomid und auch Lenalidomid und Pomalidomid. Sie werden zur Therapie bei malignen Krankheiten des blutbildenden Systems genutzt. Der genaue Wirkmechanismus der IMiDs war lange unbekannt. Neue Studien deuteten auf eine Beteiligung des Proteins Cereblon (CRBN) hin, das eine Rolle im Eiweißabbau spielt. Die Münchner Forscher untersuchten die Interaktion von CRBN mit den Zelleiweißen CD147 und MCT1, die einen Komplex in der Zellmembran bilden, der Stoffwechselprozesse steuert, wie sie typisch für Tumorzellen sind. Sie entdeckten, dass CRBN die korrekte Faltung und Reifung von CD147 und MCT1 sichert. IMiDs vermitteln ihre Antitumoraktivität, indem sie CD147 und MCT1 von CRBN verdrängen.

Forschung zu IMiDs erhält Galenus-Preis

Grundlagenforscher Professor Florian Bassermann (links), zusammen mit Chefredakteur Wolfgang van den Bergh und Jury-Vizepräsidentin Professor Marion Kiechle.

© David Vogt

Dabei erklärt die Destabilisierung des Eiweißkomplexes durch IMiDs nicht nur das verringerte Wachstum von Tumorzellen, sondern liefert auch eine Erklärung für das Potenzial von Thalidomid, Fehlbildungen hervorzurufen. "Dass Thalidomid angiogenesehemmend wirkt, ist eigentlich durch Zufall entdeckt worden. Derselbe Wirkmechanismus, der in ausgereiften Tumorzellen abtötend wirkt, bewirkt in Embryonen die bekannten Fehlbildungen", erklärte Bassermann in Berlin. (mal/ger)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

O-Saft senkt das Gicht-Risiko - und hält schlank

Vom Saulus zum Paulus: Galten Fruchtsäfte einst als gesunde Getränke, verbannen heute sogar manche Schulen die süßen Säfte. Forscher brechen jetzt eine Lanze für Orangensaft. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »

Prä-Op-Leistungen - Und wer zahlt jetzt das Labor?

Wenn eine Leistung in der anderen enthalten ist, kann sie nicht gesondert abgerechnet werden. Diese Regelung greift unter anderem beim präoperativen Labor. Die Laborreform ändert daran nichts. mehr »