Ärzte Zeitung, 02.12.2005

Forscher nehmen Krebszellen in den Fokus

Bei der Entwicklung neuer Medikamente konzentrieren sich die Pharmakologen auf das Innenleben der Krebszelle

DÜSSELDORF (sko). Zielgerichtet - das ist der Trend in der Entwicklung neuer Krebsmedikamente. "Früher hat sich die Krebstherapie auf den Menschen als Ganzes gerichtet, jetzt betrachten wir die Einzelzelle", erklärte Dr. Ralf Angermund von Janssen-Cilag den neuen Forschungsansatz bei der Pressevernissage auf der Medica.

Bisher sind die meisten Krebstherapien unspezifisch und treffen alle, also auch gesunde Zellen. Zwar sind bösartige Zellen aufgrund der häufigen Teilung von der Behandlung meist stärker betroffen, aber auch gesunde Zellen mit erhöhter Teilungsrate leiden darunter, wie man zum Beispiel am Haarausfall während einer Chemotherapie sehen kann.

Deshalb versuchen Forscher, durch die Medikamente ganz spezifisch in die Vorgänge innerhalb der Krebszelle einzugreifen. Das Stichwort hierzu lautet: Signaltransduktion. Denn bisher spielen sich die Reaktionen zwischen dem Wirkstoff und der Zelle meist über Rezeptoren an der Zelloberfläche ab, zum Beispiel bei einer Therapie mit einem monoklonalen Antikörper wie Anti-Interleukin 6, wie Angermund berichtete.

    Krebsforscher versuchen, die Zellsignale im Inneren der Zellen zu stören.
   

"Wir versuchen, Substanzen zu entwickeln, die nicht über den Rezeptor, sondern direkt an der Transduktionskaskade ansetzen", sagte Angermund auf der Pressevernissage aus Anlaß der Verleihung des Galenus-von-Pergamon-Preises an Velcade®. "Denn dann kann ich die unerwünschten Wirkungen einer Chemotherapie reduzieren."

Einen anderen Ansatz für die Behandlung von Krebspatienten bietet aber auch der Informationsfluß in die andere Richtung, nämlich vom Zellinneren zur Zelloberfläche.

Denn die Eiweiße, die als Antigene die Merkmale der Krebszelle auf der Oberfläche präsentieren, müssen vom Zellinneren an die Oberfläche transportiert werden. Dieser Transport ist vor allem von dem Enzym Farnesyltransferase abhängig. Wird es gehemmt, etwa mit dem Enzymhemmer Tipifarnib, kann sich der maligne Phänotyp nicht ausbilden, sagt Angermund.

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Preis der Kategorie B

Der Preis der Kategorie B ging an die Forscher um PD Dirk Gründemann aus Köln sowie an die Gruppen um PD Ingeborg Hauser aus Frankfurt/Main und Dr. Elke Schäffeler aus Stuttgart. Ihre Arbeiten zu Transportmolekülen stellen wir demnächst vor. 

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