Ärzte Zeitung online, 16.08.2018

Altersforschung

Ein Cocktail, der das Leben verlängert

Die Menschheit hat schon immer von einem Zaubertrank geträumt, der das Altern stoppt. US-Forscher haben jetzt eine Mischung gefunden, die zumindest gealterte Zellen auslöscht – und das Leben verlängern könnte.

Von Alexander Joppich

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Ewiges Leben, für immer jung: Das wünschen sich die Menschen schon immer. Forscher sind dem Ziel des Jungbrunnens jetzt zumindest einen kleinen Schritt näher gekommen.

© Astarot / stock.adobe.com

ROCHESTER. Forscher haben einen senolytischen Cocktail entwickelt, der das Leben verlängert – zumindest bei alten Mäusen (doi: 10.1038/s41591-018-0092-9). Eine Gruppe an der Mayo-Klinik in Rochester, Minnesota, verabreichte den Tieren eine Mischung aus dem Krebswirkstoff Dasatinib und aus Quercetin, fasst das Fachportal endokrinologie.net auf seinem Blog zusammen.

Dasatinib ist ein Tyrosinkinase-Hemmer; Quercetin gehört zu den Flavonoiden. Dem sekundären Pflanzenstoff – unter anderem in Tee, Äpfeln und Brokkoli vorhanden – wird eine antikanzerogene, aber auch antioxidative Wirkung nachgesagt.

Die orale, intermittierende Gabe der Stoffe erhöhte das Überleben bei den Mäusen um 36 Prozent und verringerte das Mortalitätsrisiko auf 65 Prozent. Zudem bestätigte sich die Wirkung ihres Cocktails bei menschlichem Fettgewebe im Labor: Auch bei menschlichem Hautgewebe entfernte der Mix aus Dasatinib plus Quercetin selektiv bestimmte Zelltypen.

Seneszente Zellen im Fokus

Der Schlüssel zur Verjüngungskur liegt in den seneszenten Zellen. Die beiden Substanzen eliminierten demnach die gealterten Zellen bei Mensch und Tier, die auch Alterungsprozesse auslösen. Seneszente Zellen stellen Teile ihrer Funktion ein und widersetzen sich gleichzeitig dem natürlichen Zelltod. Die von manchen flapsig als "Zombiezellen" bezeichneten Zellen lassen dafür benachbarte Zellen altern, indem sie entzündungsfördernde Zytokine aussondern.

Durch die Transplantation schon einer recht kleinen Anzahl an menschlichen seneszenten Zellen in Mäuse habe sich zuvor deren körperliche Funktionen verschlechtert und das Überleben sei verkürzt worden, berichten die Forscher. Diesen Effekt konnte man durch den Cocktail abstellen – sowohl bei natürlich wie auch den künstlich gealterten Tieren.

Ob das Verfahren für gesunde Menschen tauge, sei völlig unklar, zitiert der Blog James Kirkland, einen der Studienautoren. Dem Menschheitstraum von ewiger Jugend und Unsterblichkeit dürften die Forscher aber dennoch einen kleinen Schritt näher gekommen sein.

Erst kürzlich ist es amerikanischen Wissenschaftlern zudem gelungen, Regenerationsprozesse via Mitochondrien wieder anzukurbeln. Durch eine Mutation in den Zellorganellen mittels des Antibiotikums Doxycyclin hatten hierbei Mäuse innerhalb weniger Wochen Alterungszeichen wie faltige Haut und Haaarverlust entwickelt. Wurde die mitochondriale Funktion regeneriert, glätteten sich Falten und Haarfolikel wurden angeregt, die Haut der Mäuse wurde dicker und ihre Haare begannen wieder dichter zu wachsen.

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