Ärzte Zeitung Extra, 18.07.2008
 

Medikamentöse Therapie

Herzinfarkt und Schlaganfall vermeiden!

Thrombozytenfunktionshemmung steht an erster Stelle der medikamentösen Therapie

Therapieziele bei PAVK sind, die Funktionstüchtigkeit der Beine zu erhalten, die Gehstrecke zu verlängern und vor allem kardiovaskuläre Risikofaktoren zu senken, um Herzinfarkte und Schlaganfälle zu vermeiden. An erster Stelle der medikamentösen Therapie steht dabei die Thrombozytenfunktions-Hemmung.

 Herzinfarkt und Schlaganfall vermeiden!

Ein Arzt berät einen älteren Risikopatienten zur medikamentösen Therapie .

Foto: AOK

"Patienten in späten Stadien der PAVK haben ständig Schmerzen in den Beinen, kämpfen mit der Wundheilung, sind körperlich kaum belastbar und müssen eine extreme Einschränkung der Lebensqualität hinnehmen", beschreibt Professor Curt Diehm das Leiden der Patienten. Dazu kommt das hohe Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall dieser Patienten.

"Durch ein frühes Eingreifen könnten wir dieses Leiden in vielen Fällen mildern oder verhindern." Entscheidend sei, sofort medikamentös zu behandeln, wenn der ABI unter 0,9 liegt, egal ob die Patienten kli- nische Symptome haben oder nicht.

In überarbeiteten internationalen

Leitlinien, die sich speziell auch      an Allgemeinmediziner richten,

wird bei Patienten mit PAVK vorrangig eine Thrombozyten- funktions-Hemmung zur Re- duktion der Herzinfarkt- und Schlaganfall-Rate empfohlen. Substanz der Wahl ist dabei Clopidogrel (von Sanofi-Aventis als Plavix® angeboten). Diese Empfehlung basiert auf den Ergebnissen der CAPRIE-Studie.

Mit Clopidogrel relativ 24 Prozent weniger Ereignisse

19 185 Patienten mit koronarer, zerebraler oder peripherer Gefäßerkrankung bekamen bis zu drei Jahre lang entweder Clopidogrel oder ASS. Alle Patienten profitierten stärker von Clopidogrel, besonders deutlich war das bei den 6452 PAVK-Patienten. Bei ihnen war die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse mit Clopidogrel signifikant relativ um 24 Prozent niedriger als bei ASS (3,7 Prozent versus 4,9 Prozent).

Dass PAVK-Patienten therapeutisch unterversorgt sind, haben gleich mehrere Studien gezeigt. Nach Ergebnissen der getABI-Studie etwa erhält nur jeder zweite PAVK-Patient in Deutschland die empfohlenen Thrombozytenfunktions-Hemmer. Bei KHK sind es dagegen drei von vier Patienten. Diehm: "Die betroffenen Patienten sind untertherapiert, da auch Ärzte die Gefahr für andere Gefäßerkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt nicht ernst genug nehmen."

Ein wesentliches Element der Therapie von PAVK-Patienten ist, die kardiovaskulären Risikofaktoren in den Griff zu bekommen. Hypertonie, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen müssen optimal eingestellt sein. Eine vorliegende Hypertonie als Erfordernishochdruck zu akzeptieren, wie man das manchmal noch hört, ist Unsinn und heute obsolet. Eine blutdrucksenkende Therapie ist absolut erforderlich. "PAVK-Patienten müssen leitliniengerecht wie Patienten mit KHK behandelt werden", sagt Diehm.

Das bedeutet, der Blutdruck sollte maximal 130/85 mmHg betragen. Und die LDL-Werte sollten unter 100 mg/dl liegen. Doch auch hier sind PAVK-Patienten untertherapiert. Das haben die Zwei-Jahres-Ergebnisse des weltweiten REACH-Registers gezeigt: Nur 34 Prozent der mehr als 3000 PAVK-Patienten bekamen einen ACE-Hemmer und nur 50 Prozent ein Statin.

Bei Diabetikern mit PAVK ist Amputationsrate verzehnfacht

Besonders wichtig ist eine optimale Diabetes-Therapie. Denn gefäßkranke Diabetiker sind vital stark gefährdet. Studien haben gezeigt, dass die Fünf-Jahres-Sterberate von 18 auf 45 Prozent steigt, wenn außer einer PAVK ein Diabetes vorliegt, und dass die Amputationsrate bei diesen Patienten mehr als zehnfach erhöht ist. Diehm fordert daher: Diabetes solle heute nicht mehr primär als Stoffwechselkrankheit, sondern als eine Gefäßerkrankung angesehen werden. Gerade bei Diabetikern mit PAVK muss die Einstellung des Blutzuckers streng sein. Die Gefäßliga empfiehlt einen Nüchternblutzuckerwert von 80 bis 120 mg/dl und postprandial von unter 160 mg/dl sowie einen HbA1c-Wert von unter 7 Prozent. (ug)

Das sollte man Patienten ans Herz legen

  • Achten Sie auf eine vernünftige, ausgewogene und fettarme Ernährung!
  • Runter mit den Pfunden!
  • Hören Sie auf zu rauchen! Denn Rauchen ist der Risikofaktor Nummer eins.
  • Gehen ist das beste Medikament. Bewegen Sie sich so oft und so viel wie möglich.
  • Treten Sie einer Gefäßsportgruppe bei!
  • Vermeiden Sie Stress und Hetze im Alltag. Werden sie gelassen!
  • Achten sie auf eine gute Pflege Ihrer Füße.
  • Gehen Sie zu einem Spezialisten für die Pediküre!
  • Tragen Sie bequeme Schuhe!

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