Ärzte Zeitung, 28.05.2004

In der Fernseh-Serie Marienhof rauchen nur die Verlierertypen

Am Montag ist Weltnichtrauchertag / Daily Soap erhielt "Rauchfrei Siegel"

BERLIN (ami). Nur Verlierertypen rauchen. Das beobachteten Zuschauer der TV-Serie Marienhof und schlugen die Daily Soap für das "Rauchfrei Siegel" vor. Die Auszeichnung vergab das Aktionsbündnis Nichtrauchen zum zweiten Mal im Vorfeld des Weltnichtrauchertags am 31. Mai für TV- und Filmproduktionen, in denen Identifikationsfiguren nicht rauchen.

Für die Serie nahm Schauspieler Simon-Paul Wagner die Urkunde entgegen. "Er zeigt, daß es coole Typen gibt, die nicht rauchen", sagte die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe Dagmar Schipanski bei der Verleihung des Siegels.

Den Weltnichtrauchertag stellt die Weltgesundheitsorganisation in diesem Jahr unter das Motto "Tabak und Armut". Raucher sind nach Angaben Schipanskis in den unterprivilegierten Schichten überproportional stark vertreten.

Der Gesundheitswissenschaftler Professor Rolf Rosenbrock sagte: "Die Zahl der Raucher bleibt annähernd konstant, aber die soziale Schere klappt immer weiter auf." Das Einstiegsalter liege derzeit bei 11,6 Jahren, die Ausstiegsquote sei unter sozial Benachteiligten deutlich geringer als im Durchschnitt. Schipanski sagte, da Nikotinsucht sozial vererbt werde, seien Vorbilder wie sie die Serie Marienhof zeige, enorm wichtig, um den Teufelskreis aus Armut und Tabakkonsum zu durchbrechen.

Ärzte sollten ihren Patienten ebenfalls Vorbilder sein, forderte Schipanski. "Die Ärzte sind in der Pflicht, Raucher zu entwöhnen, doch die Leistung wird nicht vergütet", schilderte sie das Dilemma der Mediziner. Sie forderte die Ärzte auf, sich bei der Bundesregierung für eine umfassende Tabakpolitik einzusetzen.

Auch Rosenbrock kritisierte den geringen Stellenwert, den die Politik der ärztlichen Beratung zum Nichtrauchen beimißt. "Die ärztliche Beratung ist nicht evaluiert und nicht ausgebaut. Sie ist ein toter Arm der Prävention", sagte Rosenbrock. Er forderte eine umfassende Nichtraucher-Kampagne, die Steuererhöhungen um Entwöhnungsangebote, Werbeverbote, Antiwerbung, Zugangsbeschränkungen und Nichtraucherschutz ergänzt.

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